Gedicht des Tages

Artur Nickel - zugvögel (Gedicht des Tages am 30.12.2010)

zugvögel
   
die zugvögel sind fort
sie haben den himmel verlassen
das kartenhaus
das nichts mehr hält
   
wer aber schützt die zurückgebliebenen
vor den rauen mächten des winters
und weist ihnen den weg
durch den schnee
   
die berge liegen zu tief
um helfen zu können und
gräber sind nicht zu finden
wo götter begraben sind

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Andreas Peters: Weihnachten Moskau (Zum 2. Weihnachtstag eingelesen)

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Weihnachten Moskau

In der Schule hieß es:

Es gibt keinen Gott

In der Fabrik hieß es:

Es gibt keinen Gott

In der Klubversammlung hieß es:

Es gibt keinen Gott

Auf der Straße hieß es:

Es gibt keinen Gott

In der Untergrundkirche

hisste man die Windel

Zum Trocknen als Zeichen:

Es gibt einen Gott mit

Hand und Fuß und Kopf

und Herz und Po

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Karl Seemann - Spuren (Gedicht des Tages am 25. Dezember)

Spuren

Spuren,
nach Bethlehem,
eingedrückt in den Sand,
in den Schnee.

Zweitausend Jahre,
vergangen, verweht,
Spuren im Sand,
im Schnee
heute
nach Bethlehem.

Unterm Neonlicht der Städte,
der Geschäftswochen,
Spuren, heute,
im Sand, im Schnee
nach Bethlehem.

Verdeckt
zweitausend Jahre
vom Sand, vom Schnee
die Spuren,
dennoch dauert
das Wort.

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Gülay Caglayan - Brot und Wasser (Gedicht des Tages am 20. Dezember)

Gülay Caglayan
Brot & Wasser

Verwunde mich nicht mit deinen Waffen
Bin ohnehin ohne Schild
Nehme sie auf mich meine Schuld
Doch sah ich sie zu spät
Man erntet eben was man sät

Einen Mangel an Liebe, kann man nicht durch Bestreben beheben
Manchmal braucht man eben nicht reden
Das Herz kennt die Sprache, die man spricht
Auch, wenn es weh tut und sticht

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Dieter Wöhrle - Winter im Hinterhaus (Gedicht des Tages am 19.12.2010)

Winter im Hinterhaus

Schneegeriesel. Doris in der Küche
sieht aus ihrem Fenster auf den Hof.
Flocken tanzen hier den Winterschwof,
deckeln zu die Mülltonnengerüche.
Doris sucht Romantik, fühlt sich doof.

„Schön und sauber draußen, fast ein Segen“,
sagt sie zu sich, nippt an ihrem Tee,
„doch für mich nur Stress bedeutet Schnee.
Glatteis und kein Hauswart und von wegen
Streusalz: Nicht mal Asche im Karree!“

 

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