Gedicht des Tages

Willi Ennulat - Auf dem falschen Pferd (Gedicht des Tages am 28. März)

Auf dem falschen Pferd

Die emsige Ameise
hat ihr Tagewerk vollbracht.
Jetzt liegt sie hungrig
auf dem Wasserbett,
gedankenhohl,
und Sauna, Schmöker, Tagebuch
bleiben ohne Kick –
wie eine Warteschleife.
Dabei brannte gestern noch
ihr kreatives Feuer,
fiel sogar die Bremse
spät am Abend schwer.

Alleine sein tut heut´ nicht gut!
Wie nährend wären Blicke,
Worte,
die sie ganz persönlich meinen.

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Dieter Wöhrle - Bekehrung eines Skeptikers (Gedicht des Tages am 27. März)

Bekehrung eines Skeptikers

Er war allein, enttäuscht vom Leben
und traute nichts und niemand mehr.
Wo andere dem Glück nachstreben
und Idealen, war er leer.

Im Drogeriemarkt, Kasse sieben,
fiel sie zum ersten Mal ihm auf.
Sie schien das Leben selbst zu lieben
trotz Schichtarbeit und Spätverkauf.

Und beim Kassieren wie beim Scannen
war herzlich sie zu jedermann.
Entbehrung ließ sie nicht erkennen
und steckte ihn mit Lachen an.

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joachim schlichte - ohne titel (Gedicht des Tages am 25. März)

sind es die

oder

waren es die anderen ?

 

ich hingegen nie

berufend mich auf die

namen oh nein

 

da gewehre bei fuss stehen zu haben

lieb und äugele ich mit

allen menschlichen guillotinen

 

fallendes beil

fall beil

schneidend

 

kopf ab

wieviele sinds per annum ?

 

und

wir kaufen uns je

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Thomas M. Mayr - Maschine sei Dank (Gedicht des Tages am 24. März)

Maschine sei Dank

Unerschütterlich und gleichförmig
schnaufst du neben mir
gehst taktvoll
über meinen Schmerz hinweg
übersiehst meine Tränen
Undenkbar
mein Leben ohne dich
undankbar
der Hebel meines Hasses

Nie war ich einem Freund so nah

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Wilfgang Bullerdiek - Der Gefangene (Gedicht des Tages am 22. März 2010)

Der Gefangene

Spöttisch wirft die Sonne
das Gitter auf mein Buch.
Die Stäbe stehen
zwischen den Zeilen.

Jeder Vogel sagt,
er singe nicht für mich.
Auf die Wände, die verzeichneten,
malt das Gitter schwarze Streifen.
Und nachts manchmal
kommt der Mond – ein bleiches Kalb.

Worte, Seiten, Lügen, Trug:
Geschmückte Grenzpfähle
verzagender Gedanken.
Hastig lege ich
die Stunden ab.
Doch kehrt Heute morgen
als Gestern zurück.

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Elisabeth Lichter - Der Weg steigt an (Gedicht des Tages am 19. März)

Der Weg steigt an

Die Kräfte schwach
dass du spürst
der Aufstieg soll kosten
fraglich ein Ausblick
wenn die Wasserscheide im dichten Gehölz

Abgeschlossen die Reisen auf dieser Seite
die Zeit heimholen die Bilder malen noch immer
der Arm der sich ausstreckt heute
reicht nur wenig über die Stirn

Große Worte ganz nah
Leben und Tod
der Kopf sucht seinen Ort
kein verlässlicher Grund
für den Fuß

der Weg steigt an

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Ulrike Kleinert - Die Nächste (gedicht des Tages am 17. März)

Die Nächste

Als sie Asylunterkünfte überfielen,
habe ich geschwiegen.
Ich habe kein Asyl beantragt.

Als sie Aussiedler verprügelten,
habe ich geschwiegen.
Ich habe als Deutsche
immer in Deutschland gelebt.

Als sie das Haus
ausländischer Nachbarn anzündeten,
habe ich geschwiegen.
Meine Vorfahren
sind alle deutsch.

Als meine Freundin,
die mit dem behinderten Kind,
Morddrohungen erhielt,
schwieg ich weiter.

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Winfried Arenhövel - Die Zwiraffe (Gedicht des Tages am 15. März)

Die Zwiraffe

Man weiß, es haben die Giraffen
mit all den Affen
nichts zu schaffen.
Was hilft’s, sie von oben herab
zu betrachten,
wenn sie sich längst aus dem
Staube machten!
Darum erdachte man,
in gehöriger Distanz,
eine zweite beobachtende Instanz:
vier aufmerksame Augen,
vier Lauscher daneben –
die Zwiraffe eben.

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Frauke Baldruch-Brümmer - zurecht gelegt (Gedicht des Tages am 10. März)

zurecht gelegt

 

die angst ist nicht

mehr länger blinder

passagier sondern

setzt sich ans steuer

 

in einen traumomnibus

mit ziel private

wortaudienz bei dir

 

keine leichtherzige

reise ist dies denn

die sehnsucht macht

überstunden und an jeder

weggabel die frage

herz oder zahl

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