Gedicht des Tages

Ulrike Kleinert - Der gelbe Rock (gedicht des Tages am 1. März)

Ulrike Kleinert 

Der gelbe Rock

Der gelbe Rock
blendet den dunklen Mantel.
Sein Schlitz
gibt die atmende Haut frei,
den Geruch von Zimt
und Zitrone.

Den Mantel lang,
überm Haar das Tuch,
keine Spur Haut,
der Duft der Frau
bewahrt für zu Haus.

So kreuzen
geschlitzter Rock und langer Mantel,
werden der Jogginghose
kaum gewahr,
des federnden Turnschuhs.

Jede Frau auf ihrer Bahn.
Wie sieht sie
die andere wohl an?

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Claudia Binzberger - Grauer Tag (gedicht des Tages vom 24. Februar)

Grauer Tag

Heute ist alles grau:
der Himmel, die Häuser, die Straße,
auf die ich hinunterschau’.
Die Gedanken lass’ ich
mit den Wolken ziehen,
wer weiß, wohin.

Ein schöner Traum
wär’ jetzt gerade recht,
denn in mir ist Traurigkeit.
Unbestimmt und weit
löst sie mich los
von Raum und Zeit.

So spiegelt sich
der graue Himmel
tief in mir.
Ich ahne, dass es dir
genauso gehen mag,
schaust du hinaus
in diesen grauen Tag.

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Ulrike Kleinert - Neben meiner Tochter (Gedicht des Tages am 22. Februar)

Neben meiner Tochter

Wenn meine Tochter
sich im Spiegel betrachtet,
wirft sie
das Licht zurück
auf mich.

Ein Blitzen
all meine Jahre,

im Spiegel
das junge Gesicht.

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Dieter Wöhrle - Idee (Gedicht des Tages am 12. Februar)

Download: Audio icon wöhrleidee.mp3

Idee                                     

Er fühlte sich auch heute wieder ganz allein,
und schlimmer noch: Er wusste, dies galt als ein Makel.
In einer Kneipe dann ersann er ein Spektakel:
Beim Wirt bestellte er gleich zwei Karaffen Wein.

Die eine stellte er sich gegenüber hin.
Man glaubte, seine Dame sei nur ausgetreten
und habe ihn auf sie zu warten hier gebeten.
Er trank genüsslich und genoss Prestigegewinn.

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artur nickel - was richtig ist (Gedicht des Tages am 2. Februar 2010)

was richtig ist

manchmal
trifft es
wie ein schlag
das bewusstsein
dass nicht stimmt
was stimmt
nicht richtig ist
was richtig ist

ein tisch ist
kein tisch
und gehen
heißt
stehen
die sonne
verschiebt ihren
horizont

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Ursula Lange - Winter am See (Gedicht des Tages am 31.1.2010)

Ursula Lange
Winter am See

Weiße Birkenstämme stehen starr,
als ob sie frieren.
Lärchen spreizen die nackten Zweige
wie dürre Finger.
Kein Hauch weht durchs leblose Ried.
Vögel bleiben stumm.
Wo verbirgt sein Schwanengefieder
der Herr im Revier?
Bleigraue Schleier am Horizont
verschlucken schon früh
den orangeroten Sonnenball.
Zu Eis geronnen
das Wasser. Der See wie versiegelt.
Ein Stein, den ich warf,
schlägt klirrend auf die glatte Fläche

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Rüdiger Stüwe - Moin, Moin (Gedicht des Tages am 27. Januar)

Download: Audio icon stüwemoin.mp3

Moin Moin

In diesem flachen Land
wo sich Schafe und Briefträger
guten Tag sagen
wo Häuser auf Haubargen thronen
wo Vögel schrill auf Halligen schrein
wo Hauke Haien einst hauste
wo Heyde untertauchte
wo der Wind durchs Jahr verlässlich weht
jeder Leuchtturm wie ein Wächter steht
in diesem schönen Land
redet man nicht redundant.

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