Gedicht des Tages

Heide Riek - Sah einen Vogel (gedicht des Tages vom 16. November)

sah einen vogel

kreisen
sank
sank
federn fielen in meinen traum

als ich im kieselsteinbett erwacht
verkohlt
verrottet
trug der fluss meine haut davon

vogel
wohin
bist du geflogen

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Meino Naumann - Lebenslauf (Gedicht des Tages am 15.11.)

Meino Naumann, Oldenburg
Lebenslauf

Fern, unter Krähen gezeugt,
löffelte ich die Suppe
barmherziger Sieger
aus, die andere mir brockten.
Auf die Schwären
strichen wir Teer.
Zu viele Fliegen im Sommer
unter den Bäumen.
Alle, die mit mir
Kohlen stahlen im Winter
aus rollenden Zügen,
sehen bleich aus den Scheiben
und üben einen Beruf
oder können ihn schon lange.
Sie treten ins Dunkel zurück,
wenn ich vorbeigehe,
nicht hastig, aber

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Christl Schmidt-Holländer - Handgehäkelte Pension (Gedicht des Tages am 13. September)

Handgehäkelte Pension                                                   

Wer kann das mögen?
Die Spitzendeckchen –
die Trockenblumen –  all überall –
bunte Gartenzwerge groß und klein!
Solche Gemütlichkeit
nimmt mir die Luft.
Ich will atmen.
Aber hier steht die Häkelfrau.
Erzählt von Krebs,
Tochtergeschwüren und Enkelsorgen.

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Marianne Pumb - Ballade von der menschlichen Blindigkeit (Gedicht des Tages am 11. November)

Ballade von der menschlichen Blindigkeit

Zwei Frauen saßen
im Kurbad am Meer
die eine war pummlig
die andere schwer

Sie nippten Liköre
sie mummelten Kuchen
und wollten danach
das Soufflé noch versuchen

Sie plauderten, lachten
kurzum waren heiter –
doch die Geschichte
geht noch weiter

Ein Herr nahte sich
auch sehr korpulent
er trug ein vortrefflich
geschneidertes Hemd

Das half ihm wenig
es stremmte am Bauch
dies aber sahen
die Damen auch

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Safinaz Hallioglu - Fremd und doch daheim (gedicht des Tages am 26. Oktober)

Fremd und doch daheim

In Mamas Bauch und davor
War ich daheim
Als Baby war ich überall fremd
Wo ich die Sprache nicht verstand
Als junger Mensch war ich überall fremd
Wo ich kein Buch zum Lesen fand
Als Ärztin war ich überall fremd
Wo ich keine Patienten sah
Als Mutter war ich überall fremd
Wo ich keine Kinder hatte
Jetzt habe ich alle meine Rollen vereint
Und bin ein Menschenkind
Als Menschenkind bin ich daheim
Überall wo ich ein Menschenherz erkenne
Deshalb bin ich jetzt
Immer daheim

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Jana Jürß - Vorbei (Gedicht des Tages am 19. Oktober)

Download: Audio icon janavorbei.mp3

Vorbei

Vorbei der Tag
die Stunde vergessen
die es gab
die uns vereint
die uns
hat lieben lernen lassen.

Vorbei der Tag
die Tränen verronnen
die alle spürten
die Freiheit liebten
die uns
zahllos übers Gesicht flossen.

Vorbei die Zweifel
die Unfreiheit vergessen
die uns drückte
die uns fast zermalmte
die uns
am Ende stark machte.

Vorbei der Tag
das Lachen verschluckt
das der Menschen
das des Glücks

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Olivier Theobald - Geschichte muss man lesen (Gedicht des Tages âm 18. Oktober)

Olivier Theobald

Geschichte muss man lesen
und verdauen,
unter modernes Licht stellen,
aus dem Jahresnebel enthüllen -

Geschichte ist nie allein gewesen,
man soll ihr nicht direkt vertrauen,
eher nach den Quellen
fahnden, die manchen Wunschtraum erfüllen -

Geschichte ist meistens nur die Verbindung
zwischen Sonne und Schatten:
Ein Sinn, den man oft vermisst -

 
Geschichte ist Überwindung,
nichts für die Satten,
besonders wenn's die eigne ist -

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