Gedicht des Tages

Christopher Haupt - zeitwarte (Gedicht des Tages vom 18. August)

zeitwarte

dort stehen sterne
über deinem grab

dieselben sterne  
über meinem haus

einst haben sie
so ausgesehen

vor vielen jahr-
millionen lange

blicke ich zurück
das ferne funkeln

deiner augen
letztes jahr am

sommerhimmel
schauten sie

auf diese sterne
über unserm haus

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Wolfgang Buchhorn - Gesichter (Gedicht des Tages am 14. August)

Gesichter

Stoppelgrau und vielfältig
Voller Geschichte
Die alten Gesichter
Gegerbt von Wind und Not
Andere
Austauschbar und glatt in glänzendem Glamour
Makellos und ohne Leben
Voller Geschichten

Andere
Benetzt von salzigen Tränen
Und Angst
Strahlend vor Lachen
Das ansteckt
Nicht nur im Spiegel

Gesichter von Dauer
Und
Bleibender Wandlung
Doch eines nur
Hinter den vielen Gesichtern
Ist
Von Dir

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Elisabeth Lichter - Heidelberg (gedicht des Tages am 12. August)

Heidelberg

In den Bildern der anderen
dichtergläubig ich liebe
die Stadt aus Büchern der Traum
ehe ich sah

Angekommen nach Jahren
der erste Tag glauben alles hätte
gewartet wie ich mit fremden nicht
die eigenen Augen ziehen ein

Von der Terrasse das Schloss
leise Farben um roten Stein
Maiengrün über dem Fluss
an diesem Tag dem Jahre folgen

Mit Fremden den vielen teilen den Mai
die Jahre fortgeschrieben unter den Dächern

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Marianne Pumb - Die Ballade von der menschlichen Blindigkeit (Gedicht des Tages am 11. August)

Download: Audio icon pumbballade.mp3

Ballade von der menschlichen Blindigkeit

Zwei Frauen saßen
im Kurbad am Meer
die eine war pummlig
die andere schwer

Sie nippten Liköre
sie mummelten Kuchen
und wollten danach
das Soufflé noch versuchen

Sie plauderten, lachten
kurzum waren heiter –
doch die Geschichte
geht noch weiter

Ein Herr nahte sich
auch sehr korpulent
er trug ein vortrefflich
geschneidertes Hemd

Das half ihm wenig
es stremmte am Bauch

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Wolfgang Buchhorn - Und da ist Eines ... (Gedicht des Tages am 8. August)

Und da ist Eines ...

Du bist
Das Eine
Und erkennst dich
In allem
Ohne das Viele
Reifte das Eine nicht
Und ohne das Eine
Verlöre das Viele
Den Sinn

Ganz in sich selbst
Enthalten die vieltausend Dinge
Die Schönheit
Doch im Einen
Gründet die Vielfalt des Guten
Erst Eines und Vieles zusammen
Undenkbar als Einheit
Erschaffen die Welt voller Glanz

frei nach Tao Te King

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Elisabeth Lichter - Spuren (Gedicht des Tages am 4. August)

Spuren

Spuren wenn man sie sucht
das Geheimnis der Welt
eine Silbe das Wort

mit Hoffen und Fürchten beschwert
von dem Gang der Zeiten auf weißer Wand
das Wort am Ende des Gastmahls

Wie im Nachtflug die erleuchtete
Stadt taucht auf entschwindet
wieder das Licht in der Dunkelheit

Mehr kommt uns nicht zu
so schwach unsere Augen

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