Gedicht des Tages

Peter Soost-Nichts passiert (Gedicht des Tages am 16.September)

Nichts passiert

Johlend laut tönte Kriegeslust
aus tausend Mündern
durch die zarte Frühlingsluft.
Doch wo blieb der Feind?
Der Schlachtplan fest,
der Termin fix;
und doch kein Gegner
hier,
wo’s sich so schön kämpfen ließe.

Johlend laut tönte Nichtkriegs-Frust
aus tausend Mündern
durch die zarte Frühlingsluft.
Grölende Entrüstung,
denn Ent-Rüstung drohte.
Endlich kam ein Gegner!
Nicht der erwartete Feind,
nur der fröhlichste Vogel der Welt

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Thomas M. Mayr - Montage Morgens (Gedicht des Tages am 14. September)

Montage Morgens

Im U-Bahngeruckel frei
der Platz
neben mir
lege ich mein Zeug ab
keine Lust auf niemand
soll sich wagen
wer will
schon am frühen Morgen
neben mir
– niemand

Du schiebst
dich durch und durch
zielgerichtet
zum Platz
neben mir
kein Pardon
keine Lust auf niemand
soll sich wagen
wer will
schon am frühen Morgen
Ich
neben mir
– niemand

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Ulrike Kleinert - Gegen den Krieg (Gedicht des Tages am 13. September)

Gegen den Krieg
Kosovo 1999

Einmal muss ich sterben,  
aber wenn mein Kind,
das doch weiterleben soll,
wenn ich tot bin,
vor mir stirbt, werde ich
schon vorm Sterben sterben.

Viele Kinder sterben
in unzähligen Ländern der Erde,
ihre Mütter, die noch leben,
sind mitgestorben,
bei jedem Kind mitgestorben,
mehr und mehr gestorben.

Und Kinder sterben,
wenn ihre Mütter getötet werden,
ihre Väter, Brüder, Schwestern
vor ihren Augen sterben,

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Karin Flörsheim - Eiskalt (Gedicht des Tages am 12. September)

Eiskalt

Eiskalt
Der Wind
Das Gesicht
Zerschnitten

Weiße
Sonnenstrahlen
Treffen mich
Im Vorübergehen
Erblinden in
Eis und Schnee

Die Wärme
Im Raum
Schmerzt
Messer
Durchschneiden
Die Glieder

In das Segel
Meiner Träume
Roll ich mich ein
Fahre davon

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Stanislaw Wygodzki - Das Fenster (Gedicht des Tages am 10. September)

DAS FENSTER

Irgendwo ein Haus, ein Fenster und dahinter
ein Vorhang, zitternd, halb herabgerissen,
ein Schatten auf der gegenüberliegenden Wand,
und tote, hartnäckige Stille.

Der Schatten aber wie der Vorhang schwankt,
vom Wind in nebliger Dämmerung bewegt,
und wartet in der Stille bis zum Morgen
meines ungeschriebenen Briefes.

Niemandes Hand, niemandes Mund,
den Vorhang rissen Fremde nieder.
Hartnäckige Stille, leere Stube
und sonst nichts mehr.

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Werner Hardam: Retter der Nacht (Gedicht des Tages am 9. September)

Retter der Nacht

Es waren nur wenige Demonstranten,
aber sie genügten, um den Straßenverkehr
zu blockieren.
Sie hielten Schilder hoch, auf denen Sätze
wie „Rettet die Nacht!“ standen.    
Ich war ungehalten, schließlich
hatte ich einen anstrengenden Tag hinter mir.   
Ich war müde, wollte schnell nach Hause,  
mich entspannen, den Ärger loswerden.   
Aber es gab kein Durchkommen,
die Demonstranten versperrten mir den Weg.     

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Lisa Oesterheld - Tagesbeginn (Gedicht des Tages am 8. September)

Tagesbeginn

Den Kopf himmelwärts wenden,
die Fußsohlen am Boden.
Die Himmelsleiter aufstellen,
ein paar Sprossen erklimmen –
die Engel leisten Hilfestellung.

Auf der Erde ankommen,
dich ausstrecken,
mit Fingerspitzengefühl
einen großen Bogen
am Horizont malen.

Ein paar Schritte
ausschreiten,
Atem holen
und beschwingt
auf den Tag zugehen.

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Melanie Michels - Die Wahrheit (gedicht des Tages am 7. September)

Die Wahrheit

Die Liebe starb mit Gott
an dem Tag,
an dem der Mensch
seinen unvollkommenen Geist
über die verkümmerten Reste
seiner undankbaren Seele stellte

Die Wahrheit existiert.
Sie ist das pure Sein.

Kein Gedanke und kein Wort,
doch ein Gefühl in uns,
der Kern jedes Menschen,
der mit der Nichtbeachtung
seines göttlichen Lichtes
in dem fortan nie endenden
Schwarz
der großen Fragen verschwand.

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Brigitte Spreitzer - Draußen (Gedicht des Tages am 6. September)

Draußen ziehn vorüber
Menschen
Zeitknoten
Ich schnür sie nicht auf
Unserland zeitlos
gleitet durch die Lande
Ich wähle ein wenig
Blau ein wenig Purpur
Gold

lass sinken
lass sinken

In einer Geste einem
Anklang einem Vogelruf
berührst du mich

Ich bring dir die Antwort heim.

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