Gedicht des Tages

Ulrike Kleinert - Der Krieg in den Kindern (gedicht des Tages am 9. November)

Der Krieg in den Kindern

Eines Tages erreichte der Krieg Deutschland.
Er kam nicht mit Gewehren,
Granaten und Soldaten.
Er kam schlafend
auf dem Arm einer Mutter,
als Säugling.
Er schrie laut,
war hungrig und fror.

Neue Papiere bekam der Vater,
nur einen Staat nicht,
der sie alle nimmt
als seine Bürger.
Was soll ein Krieg
mit Staat und Papier?
Der Krieg will nur
den Krieg.

Das Kind wuchs.
Der Krieg wuchs auch

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Karin Floersheim - Leben verfließt - Gedicht des Tages am 8. November

Karin Flörsheim

Leben verfließt

Leben verfließt
Verwelkt verdunkelt
Erhellt Erinnerungen
Freude
Beklommenheit
Angst
Gleichgültigkeit
Ziehen im Geiste
Vorüber

Und die Angst
Ich werde nicht mehr
Sehen lesen malen
Arbeiten können
Leben verfließt
Verwelkt verdunkelt
Und die Angst
Treibt mich
Wenig Zeit bleibt

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Stanislaw Wygodzki - Alles erinnert mich an dich (Gedicht des Tages am 6. November)

Alles erinnert mich an dich:
im offenen Fenster des Himmels Blau,
im Wind biegsam und schwankend das Gras,
die fernen Bäume, regennaß.

Alles erinnert mich an dich:
der Lokomotive fernes Pfeifen,
die Nebelschwaden bläulichblaß,
am Straßenrand der Busch, vom Sturm zerzaust.

Alles erinnert mich an dich:
das Herz, morgens vom Arzt geprüft,
tödliches Rauschen, das sich eingenistet
in die sich niedersenkenden Novembernächte.

Alles erinnert mich an dich:

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Monika J. Walther: Blauäugige Zukunft (Gedicht des Tages am 5. November)

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Blauäugige Zukunft

Meinen Fuß in deiner Tür
gehe ich zwei Schritte rückwärts.

Keine Verlierer wollten wir sein,
nur die guten Wörter benutzen
unser Sommerfest lang.
Hinter den Rücken ging
keine Zeit verloren, aber
das Leben nahm sich Stunde für Minute
Alltage, neue Wochen und ein Jahr.

Wir kamen zu deinem Meer
und zählten die Wellen,
die Sandkörner schimmerten.
Heller Jubel von Ferne
im blaugrünen Sonnenmittag
bricht die Dämmerung rasch.

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Werner Hardam: Hänschen klein (gedicht des Tages vom 4. November)

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Hänschen klein

Der Junge saß vormittags
allein am Wegesrand,
dort wo die Stadt zu Ende ist.
Niemand wusste, wer er war.  
Er schaute umher, so als
ob er auf jemanden wartete.
Aber alle Leute,
die sich auf der Straße aufhielten,
kannten ihn nicht,
gingen an ihm vorüber.

Sie haben mich beauftragt,
ein Auge auf solche Kinder zu werfen.  
Vielleicht schwänzen diese die Schule,
oder haben sich verlaufen. Wer weiß?
‚Brauchst du Hilfe?’,

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Stanislaw Wygodzki - Das Fenster (Gedicht des Tages am 3. November)

DAS FENSTER

Irgendwo ein Haus, ein Fenster und dahinter
ein Vorhang, zitternd, halb herabgerissen,
ein Schatten auf der gegenüberliegenden Wand,
und tote, hartnäckige Stille.

Der Schatten aber wie der Vorhang schwankt,
vom Wind in nebliger Dämmerung bewegt,
und wartet in der Stille bis zum Morgen
meines ungeschriebenen Briefes.

Niemandes Hand, niemandes Mund,
den Vorhang rissen Fremde nieder.
Hartnäckige Stille, leere Stube
und sonst nichts mehr.

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Manfred Klinkebiel - Entschluss (Gedicht des Tages am 29. Oktober)

Mafred Klinkebiel (Jopapa)

Entschluss

Ich will

anfangen jetzt
handeln endlich
alles
sein

aber
zurückgeworfen
ich Feindlicher
vereinsamt ich
zu Freundlicher

und doch
ich will 

 

aus Manfred Klinkebiel

Jopapa

Dokumente und Utopie

Gedichte und Kurzprosa

Geest-Verlag 2006 

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