Gedicht des Tages

Werner Hardam - Konsumwidriges Verhalten (Gedicht des Tages)

Konsumwidriges Verhalten   

Eines Tages bekam ich ein Schreiben
vom Amt für städtische Wirtschaftsentwicklung.
Ich sollte mich dort mal einfinden.
Es läge eine Anzeige gegen mich vor.
Amt für städtische Wirtschaftsentwicklung?
Nie gehört. Weil ich neugierig war,
habe ich mich bei der
angegebenen Adresse eingefunden. 
Man führte mich in eine Amtsstube.
Zwei Herren in dunklen Anzügen
setzten sich zu mir an den Tisch,
hatten eine Akte dabei,
auf der mein Name stand.
Also, ich sei Rentner, sagten sie,

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Luisa Maureen Chilinski - Erinnerung (Gedicht des Tages)

Erinnerung

So schnell
fließt die Erinnerung
den Abfluss hinunter
grau-blasse Brühe
bedeckt als
emotionsloser Schleier den Asphalt

Bilder bleiben nur noch
tonlos im Kopf
zerrissene Fetzen
schweben unbemerkt
zu Boden

Hohl schallt die Stimme
gegen die Wände im Kopf
entferntes Echo
flieht
im leiser werdenden Klopfen
hinaus

Wenn Quellen versiegen
Bäche sich leeren
Wellen sich töten
Rauschen verstummt

dann haben wir uns vergessen

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Daniela Heyng - Staubtanz (Gedicht des Tages)



 

Über Netze alt gewoben,
durch den Staub, der fein zerstoben,
wandern zarte Sonnenfinger,
brechen durch den Gläserzwinger.

Ganz hinten an der langen Wand,
mit Holz vertäfelt elegant,
stehen Vasen, voll mit Blumen,
Jahrzehnte alt, zerfall’n zu Krumen.

Truhen, die das Licht verschlucken,
in denen sich die Motten ducken;
es malt ein Bogen hell aus Licht
in bunten Farben Schicht um Schicht.

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artur nickel - was bleibt (Gedicht des Tages)

Artur Nickel
was bleibt    

die notiz in der zeitung       
ein dürrer bericht                
worte verschlossen                                 
bilder                                                       
ein kindergesicht
der stumme schrecken
als sich der zug
in bewegung setzt                         

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Elisabeth Lichter - Der Weg steigt an (Gedicht des Tages am 17. August)

Der Weg steigt an

Die Kräfte schwach
dass du spürst
der Aufstieg soll kosten
fraglich ein Ausblick
wenn die Wasserscheide im dichten Gehölz

Abgeschlossen die Reisen auf dieser Seite
die Zeit heimholen die Bilder malen noch immer
der Arm der sich ausstreckt heute
reicht nur wenig über die Stirn

Große Worte ganz nah
Leben und Tod
der Kopf sucht seinen Ort
kein verlässlicher Grund
für den Fuß

der Weg steigt an

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Erich Pfefferlen - Liebe Feinde (Gedicht des Tages)

Liebe Feinde

Habt Dank
für all die vielen Steine
die ihr mir in den Weg gestellt
so lernte ich
immer besser ausweichen

habt Dank
für neidische Blicke
durch sie erst
hab ich tiefer in euch blicken können
als in manchen sogenannten Freund

habt Dank
für die mit Volldampf losgelegte Feindschaft
durch sie erst hab ich erlernt
Geduld für kleine Schritte
notwendig für jedes
große Ziel

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Luisa Maureen Chilinski - James Mortis (Jugendliche melden sich zu Wort))



 

James Mortis

Schweißnassgebadet aufgewacht,
erneut geträumt, erneut gestorben:
James Mortis fällt, sein Kopf schlägt auf,
als schwarzer Regen ihn bedeckt.

Jeden Morgen, jeden Abend
tief verloren, Soldat James Mortis,
wenn seine Kellertür sich schließt.

Ach, wie war der Tag noch damals,
als Feuer fern und Leid ihm fremd.
Menschen sich zufrieden liebten,
Vergnügen spät erkannten Werts.

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Uwe Erwin Engelmann - Marode Beziehungskiste (Gedicht des Tages)



Engelmann, Uwe Erwin: Zinnsoldat



 

Marode Beziehungskiste

Unsere Gefühle
füreinander
sind nun wie Holz

faul riecht es mitunter
und es stinkt zuweilen verbrannt

wir ahnen
dass der Geruch in Zukunft
noch schlimmer werden könnte

gemeinsam schleppen wir unser Kreuz
zu einer frisch geschaufelten Grube

sprachlos
bereiten wir
unserer gemeinsamen Zukunft
ein jähes Ende

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Luisa Maureen Chilinski - James Mortis (Gedicht des Tages)

James Mortis

Schweißnassgebadet aufgewacht,
erneut geträumt, erneut gestorben:
James Mortis fällt, sein Kopf schlägt auf,
als schwarzer Regen ihn bedeckt.

Jeden Morgen, jeden Abend
tief verloren, Soldat James Mortis,
wenn seine Kellertür sich schließt.

Ach, wie war der Tag noch damals,
als Feuer fern und Leid ihm fremd.
Menschen sich zufrieden liebten,
Vergnügen spät erkannten Werts.

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