Gedicht des Tages

Carina Göbel - flügellos (Gedicht des Tages)

Flügellos


Kurz vorm Fall,
kein Satz nur Worte,
kein Zusammenhang.
Ich kämpfe trotz Träumen,
auch wenn ich Hoffnung habe,
gegen dich an.
Ich drehe mich weiter,
ganz langsam im Kreis,
sehe den Fall –
schmunzelnd –
deinerseits.
Habt ihr’s gesehen?
Schallend gelacht,
mit Freuden gemerkt,
dass auch ein Engel
Fehler macht.
 

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Sabine Prilop - Zu spät (Gedicht des Tages)

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Sabine Prilop

 Zu spät

Die größten Irrtümer erkennt man spät
oder nie. Erkenntnis wächst aus einer
Summe von Signalen. Sie überdauern die Zeit.
Sie rüsten sich. Nehmen Aufstellung. Verbergen sich
hinter durchsichtigen Mauern. Farblos, ohne Konturen.
Es gibt Tage, an denen die Mauern fallen. Geräuschlos
für die umstehenden Sieger, lärmend für die Verlierer.
Gewonnene Erkenntnis öffnet den Blick
für die verlorenen Möglichkeiten.

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Autor: 

Buch: 

Marcus Coesfeld - Geduld (Gedicht des Tages)

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Marcus Coesfeld, Dortmund
Geduld


Kalter Winter
Milder Sturm
Dunkle Nacht
Stiller Tod

Alles düster
Längst verloren
Weiß bedeckt Bunt
Leben erstarrt

Doch es geht weiter
Der Frühling winkt schon
Bringt Hoffnung mit sich
Und Licht ist der Lohn

 

aus: Zwischenzeiten. Geest-Verlag 2008

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Buch: 

Antje E. Schnabl - Glaubst du? (Gedicht des Tages)

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Glaubst Du ...

Glaubst du, daß die Engel
den Lichterglanz zaubern,
wenn das Dunkel den
Tag nicht freigeben will?

Glaubst du, daß die Mütter
uns Lebkuchen backen,
wenn die Felder und
Obstbäume leer sind?

Glaubst du, daß die Glocken
und Lieder erklingen,
wenn eisiger Frost
die Natur verstummen läßt?

Glaubst du, daß nicht nur ins
Kinderherz Freude dringt,
wenn bunte Gaben
von Hand zu Hand gehen?

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Luisa Mauren Chilisinky - Erinnerung (Gedicht des Tages)

Erinnerung

So schnell
fließt die Erinnerung
den Abfluss hinunter
grau-blasse Brühe
bedeckt als
emotionsloser Schleier den Asphalt

Bilder bleiben nur noch
tonlos im Kopf
zerrissene Fetzen
schweben unbemerkt
zu Boden

Hohl schallt die Stimme
gegen die Wände im Kopf
entferntes Echo
flieht
im leiser werdenden Klopfen
hinaus

Wenn Quellen versiegen
Bäche sich leeren
Wellen sich töten
Rauschen verstummt

dann haben wir uns vergessen

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Stefan Hölscher - Die ganze Zeit (gelesen vom Autor) / (Gedicht des Tages)

DIE GANZE ZEIT

Für S., d. n. d. a.

ich denk die ganze Zeit allein an ihn
er denkt die ganze Zeit allein an sie
sie denkt die ganz Zeit allein an einen anderen
der denkt die ganze Zeit allein an irgendwen

warum denkt nur nicht der an den
der an ihn denkt
warum nicht einmal merkt denn der
an den gedacht wird
wie sehr an ihn gedacht wird
warum nicht einmal will er das denn merken

so lieblos ignorant ist man dem Richtgen abgewandt
so lächerlich beflissen ist man zum Falschen hingerissen

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