Gedicht des Tages

Marianne Pumb - Katzrnjammer (Gedicht des Tages)

 

Pumb, Marianne: Die Liebe scheint wirrich

 

Kammerjammer

Mir ist so jammer
jämmerlich
geh in die Kammer
kämme mich

Herz gebrochen
Kochen entwichen
Schönheit ist schon
lange verblichen

Haare struppig
Freude verdorrt
ich will aus meinem
Leben fort

Bin schon kläglich
schwach, knitterlich
will nicht werden
noch bitterlich

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Jenny Schon - Für George Grosz (Gedicht des Tages)

Für George Grosz

Solang ich lebe
Leide ich
Auch Leidenschaften
Sind lästig
Wenn ich mich betrachte
Sehe ich Abgründe
Den Sternen wäre ich nah
Sehr gern
Die Höhen möchte ich schon
Erklimmen
Mit den Zugvögeln ziehn
An den Strömen
Die Kontinente wechseln
Und meinen Horizont sehen

Dann weiß ich
Ich lebte
Ohne zu leiden
Ohne lästig zu sein
Den anderen eine

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Safinaz Hallioglu - Auge der Zuneigung (Gedicht des Tages)

 

Auge der Zuneigung

Das Auge der Zuneigung entfernte ich eines Tages
Um ohne Hilfe die Umgebung zu schauen
Die Farben verzerrten sich, gesichtslos die Gesichter
Liebe verachtet, Güte umgekippt

Nachtigallen ohne Zunge, Mütter herzlos
Bäume ohne Ast blätterlos sah ich
Freunde, Verwandte, leiden konnte ich nicht mehr
Alle als meine Feinde empfand ich

Der Himmel auf Erden zur Hölle werdend
Was Mitleid heißt, wusste ich nicht mehr
Ekelte mich vor allem, was ich sah
Auch hören wollte ich nichts mehr

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Christopher Haupt - Stadtwaldurlaub (Gedicht des Tages)

 

stadtwaldurlaub

sommerlicher laubwald
nach warmem regenguss

schwül stehende luft
dunstige schwaden
aufsteigenden dampfes

dämonenschleier grün
scheinender bühnennebel
kriechen aus dem erdreich

schweißperlende blätter
vögel zwitschern verstecken
zwischen trunkenem geäst

ausatmendes unterholz
modriger duft schlängelt
über feucht wuchernde

bodendschungel eine tropische
tümpellandschaft im karbon

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Stanislaw Wygodzki - Alles erinnert mich an dich (Gedicht des Tages)

 

Heiser, Dorothea (Hg.) Wygodzki, Stanislaw - Tagebuch der Liebe

 

 

Alles erinnert mich an dich:
im offenen Fenster des Himmels Blau,
im Wind biegsam und schwankend das Gras,
die fernen Bäume, regennaß.

Alles erinnert mich an dich:
der Lokomotive fernes Pfeifen,
die Nebelschwaden bläulichblaß,
am Straßenrand der Busch, vom Sturm zerzaust.

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Herbert Mannel - Ein stilles Spiel (Gedicht des Tages)

Mannel, Herbert - Jeder küsst nur seinen Schatten

 

Ein stilles Leben,
farbloses stilles Leben.
Sonne scheint ausgelöscht,
Schatten durchwandern den Raum.

Da sitzen wir
und trinken den blutigen Kaffee,
schwarz muss er sein, schön schwarz.
Eingesperrt in unserer Welt, schauen wir
nicht mal mehr aus dem Fenster,
schauen lieber den Porno im TV.

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