Kinder und Jugendliche melden sich zu Wort

Jacqueline Faß - anscheinend nicht (Kinder und Jugendliche melden sich zu Wort am 23. August)

anscheinend nicht

kann man nicht sehen
dass es mir schlecht geht
anscheinend nicht

ich bin traurig
und keiner sieht es
ich bin am ende
und keiner merkt es
ich brauche hilfe
und keiner versteht es

muss man erst meine tränen sehen
ehe man meine sorgen sieht
muss man erst weinen
bevor man hilfe erhält
muss man erst fragen
ehe man mich beachtet

menschen
die einen lieb haben
sehen auf den ersten blick
dass man traurig ist

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Neele B - Das Gedicht von einem Blatt Papier (Kinder und Jugendliche melden sich zu Wort am 19. August)

Download: Audio icon neeleb.mp3

Neele B. (Klasse 4 der Grundschule Emstek)

Das Gedicht von einem Blatt Papier

Ich hab ein Blatt Papier,
das schenk ich dir,
ich falt es auf,
du liest es laut,
ich höre zu,
das bist du,
ich falte es zu,
jetzt ist Ruh.

 

aus: Wir
Wenn Bücher lebendig werden
Ein Lesebuch der vierten Klassen der Grundschule Emstek
Marlies Scheele (Hg.)

 

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Kübra Savasan - Alles braucht seine Zeit (Jugendliche melden sich zu Wort am 18. August)

Alles braucht seine Zeit

Du bist auf dem Weg, etwas zu tun oder zu erreichen. Nun ist es so, dass es auf dem Weg große Steine gibt. Rechts ist der steinerne Weg, links ein gerader. Und jetzt?
Er ist so weit, der Weg zur Entscheidung. Mein Weg ging immer in die Länge auf dem rechten Weg. Aber was ist, wenn es der falsche Weg ist? Als ich aus dem Haus ging, sagten meine Eltern zu mir: „Nichts ist schlimmer, als etwas nicht zu tun, das man tun möchte.“ Und so gehe ich weiter meinen rechten Weg.

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Hanna Freund - Rot ist er (Jugendliche melden sich zu Wort am 17. August)

Rot ist er

„Plopp“ ... mal wieder.
Ich befreie ihn, in die Karaffe – noch rot vom Letzten,
Lass ihn atmen.
Rot ist er.
Rot und frei.
Rot, frei, verführerisch ...
Macht hat er.
Er ist bereit, wird umgebettet,
Verwöhnt wird er, im teuren Glasgestell.
Macht hat er.
Aus der Karaffe in das Glas,
So vertraut, dieses Ritual.
Tropf ...
Befreit und vernichtet hab ich ihn.
Und doch: Macht hat er.
Schafft es immer wieder,
Verabredet mich für morgen,

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Hanna Freund - Ohne Titel (Jugendliche melden sich zu Wort am 16. August)

Ohne Titel

 

Du bist so cool, du blendest alle

Tiefste Nacht, du leuchtest hell

Wie machst du das? Komm, zeig es mir

Läufst durch die Straßen, schicke Socken

Musik läuft auch, wie, nur für dich?

Kauend schlenderst du umher, den Blick geradeaus nach vorne, mal nach rechts und mal nach links

Den Kopf, der bleibt, bewegst du nicht, nur Augen rollen hin und her

Die Ohren blitzen, Haare schimmern

Deine Klamotten, oh mein Gott! Du trägst die Bücher auf den Jacken, Shirts und Unterhosen

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Veronika Slabu - Zug der Zeit (Kinder und Jugendliche melden sich zu Wort am 14. August)

der zug der zeit

ich steh am bahnhof
und warte auf den zug
der mich in die zukunft bringt
doch plagt mich das warten
oder genieße ich es
das warten auf das ungewisse
und fremde auf das
was mir missfällt
ändern kann ich es sowieso nicht
denn die zukunft kommt
also warum auf den zug warten
denn der zug der zeit
nimmt mich sowieso mit
ob ich will oder nicht

Veronika Slabu (17 Jahre)

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Lisa Schnotale - Dunst (Jugendliche melden sich zu Wort am 12. August)

Download: Audio icon schnotale.mp3

Dunst

Losgelöst steigt ins blühend
Himmelreich,
Entsprungen aus dem eifrig glühend
Alsbald vergänglich gleich.

In Sekunden blickentschwunden
Trägt er doch Substanz und Geist
Hinauf ins Ungefähre.
Im Antlitz dessen wünschte ich,
ich kehrte derart erdentbunden
Nimmer mehr von meiner Reis´.

Könnte niemand zu mir dringen.
Könnte niemand mich vernichten.
Mich in lichtere Lüfte bringen,
So könnt ich ewig fortan dichten.

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Tabea Reinmuth - Nachtwache (Kinder und Jugendliche melden sich zu Wort am 11. August)

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Nachtwache
Tabea Reinmuth

Eines Abends ging ich nach mehrstündigem Klavierspielen und noch völlig von der Musik eingenommen „mal schnell“ auf meiner Station vorbei, um kurz einen befreundeten Zivi, der bereits examinierter Krankenpfleger ist, in seiner Nachtschicht zu besuchen. Während er noch anderweitig beschäftigt war (telefonierte – kann man das hier schreiben?), setzte ich mich an den Computer und schrieb, in einem trance-ähnlichen Zu-stand, die folgenden Zeilen:

ihr lebt alle so oberflächlich.

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