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Maja Loewe feierte gestern ihr Lyrikdebut „weil du ein fell aus sternen trägst“ in der Lübecker Altstadt (im sZiggy´s)

Eine tolle Buchpremiere in einem wundervollen Ambiente. Jeder, der in Lübeck weilt, sollte mal kurz vorbeischauen im sZiggy's, Marlesgrube 58, in der Lübcker Altstadt. Gestern war die kleine Kneipe bis auf den letzten Platz gefüllt - Freunde, Bekannte, Lyrikerkolleg*innen freuten sich gemeinsam auf das lyrische Erstlingswerk der Autorin '„weil du ein fell aus sternen trägst“. In souveräner Manier geleitete die Autorin durch ihre Gedichte, zwischendurch kleine Anmerkungen, wo es zur Entstehungsgeschichte notwendig war.

Jenny Schon - Vor 55 Jahren und heute…

Jenny Schon


Vor 55 Jahren und heute…

…Blumen würde ich immer wieder streuen
den Soldaten an die Uniform
und den Gewehren in den Lauf
würde mit den Pragern gegen
die Panzer laufen sie zu stoppen
den jungen Männern das Feuer stochern
wenn sie ihre Einberufungsbefehle verbrennen
würde den Stacheldraht zerschneiden
der die Atomkraftwerke schützt
handinhand bilden wir eine
Menschenkette gegen Unfreiheit
und Gewalt

bin dabei wenn
die iranische Kletterin beklatscht wird

Maja Loewe - Eine Düne

Eine Düne


aus schwarzem Sand füllt mein Zimmer

Küstenberge klaffen aus Schubladen

Azurblaue Wellen brechen
an der Kante meines Atems entzwei

Ich sortiere die Fische in meinem Schrank
nach Größe und Farbe

Unter der Decke erstarren Seesterne
zu Fresken aus Perlmutt

Im Lichtkegel der Leuchtqualle lese ich
das Logbuch von Cousteau

Krustentiere paaren sich im Sekretär

Ich nähe eine Schwimmweste aus Kissen
und warte auf die Flut

 

ANDY WIRSZ, „Bittersüße Wirklichkeit“

ANDY WIRSZ, FÜRTH
Ausschreibung „Bittersüße Wirklichkeit“

Ich bin ein Mensch mit Behinderung, glaube ich. Davor war ich „behindert“, „gehandicapt“ oder einfach nur „ein Krüppel“. Früher war ich tabu, eine Bürde der Gesellschaft und bemitlei-denswert. Heute werde ich übersehen.
Wir dürfen kein Geld sparen, solange der Staat für uns zahlt. Aber wir sollen ja dankbar dafür sein. In einer Behindertenwerkstatt verdienen wir nicht einmal den Mindestlohn, aber wir sollen froh sein, dass wir etwas zu tun bekommen. Wir dürfen existieren, aber nicht leben.

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