Veröffentlichungen

Carlo Contratti - Ignoranz (Jugendliche melden sich zu Wort)

ignoranz

in der zweiten Klasse fing alles so richtig an
da war ich noch der größte aber dann
lesen und schreiben fiel mir schwer
lesen und schreiben das war mein leiden

es kam die angst alle könnten lachen
und mich nur noch niedermachen
sie würden mich ärgern
und nicht in ruhe lassen

was auch geschah ... wie wahr
du kannst nicht gut lesen
und was du schreibst
kann keiner verstehen

mit diesen lehrersätzen durfte ich
durchs leben gehen
ich hatte viel angst
und ich sah meine zukunft in düsterem licht

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Jasmin Otto - Memories (Jugendliche melden sich zu Wort)

Memories

Kindheit
Ein Wort das für mich so viel bedeutet
Wie Flucht,
Flucht vor dem Wesen aus meiner Vergangenheit,
ein Wesen, das mir ausnahmsweise so nah stand,
dass ich ihm nicht entkommen konnte!

Lachen
Konnte ich nur,
wenn ich nicht bei ihm war.
Ich war für jede Gelegenheit dankbar:
Schule, Freunde, sonst wo, nur nicht dort,
wo ES war!
Fremd sein
Nicht akzeptiert werden.
Unwohl fühlen,
Gefühle, die sich
in mir ausbreiteten,
wenn ich bei ihm war!

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Pablo Neruda - Ostsee-Ruinen (Gedicht des Tages)

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von Pablo Neruda autorisierte Übersetzung aus dem chilenischen Spanisch
von Heinz Fischer, München

Ostsee-Ruinen

Danzig, vom Krieg zersiebt,
zerrissene Rose -
wie ein Gespenst unter Gespenstern,
zwischen dem Meergeruch
und dem hohen hellen Himmel,
zwischen orangesilbernen Trümmern,
ging ich durch deine Ruinen.
Der Nebel drang mit mir ein,
die eisige Schwade,
und im Herumirren
entwirrte ich die Straßen
ohne Häuser und Menschen.

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Rainer Weingärtner - Marode Ode zum Lob der Xenophobia (Gedicht des Tages)

Marode Ode zum Lob der Xenophobia

Sie fliehen Hunger – Krankheit – Morden –
›Freiheit – das Wort unbekannt‹
hoch in den fremden – kalten Norden –
hoffend ins gelobte Land .

Sind uns nur gier’ge – schwier’ge Horden –
all ihre Not unint'ressant.
Was kümmern uns schon ihre Sorgen –
Verzweiflung – Hoffnung ungenannt.

Würden gern von heut auf morgen
nach Elendland sie rückentsorgen.
Auch wenn sie nur vom Übertand
ein wenig Glück sich borgen.

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Bahram Mohammad - „Du Deutscher, du!“ (Jugendliche melden sich zu Wort)

„Du Deutscher, du!“

Eines Tages bin ich von der Schule nach Hause ge-kommen, und meine Mutter sagte: „ Hamid, bring den Müll raus.“ Ich erwiderte: „Gleich, Mama.“ Doch meine Mutter sagte: „Sofort.“ Ich antwortete jedoch mit lauter Stimme: „Jetzt nicht.“ Da schrie meine Mutter: „Wie redest du mit mir, du Deutscher, du!“
Als ich dann den Müll hinausbrachte, sagte ein Mann zu mir: „Hey, du Ausländer, das kommt in den an-deren Mülleimer.“ Ich ging verwirrt zurück in mein Zimmer und fragte mich, wer oder was ich eigentlich bin. Eine Antwort darauf habe ich nicht gefunden.

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Daniel Pillath - Schattendasein (Jugendliche melden sich zu Wort)

Schattendasein

Vorurteile, da ist dieses Wort schon wieder!

Ob in der Schule oder privat, das Wort ist wie ein Schatten, der immer präsent, aber doch nicht gleich erkennbar ist.

Rassenfeindlich, oberflächlich und diskriminierend bestimmt dieses
Wort unser Leben, ungeachtet, ob reich, ob arm, ob dumm, ob schlau, wir
werden es nicht los: Das Vorurteil!

Richtig gehört! Jeder hat das eine oder andere, selbst du! Selbst ich?

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Brigitte Spreitzer - Wohin fliehn wir nun mit unserm weißen Traum (Gedicht des Tages)

Wohin fliehn wir nun mit unserm weißen Traum
der eintreten will
in eine Welt in der wir da sind
der unberührt liegen will
im leisen Geflaum –
weißes Schmelzen auf fernen Wangen.

Weine um dich
wie du sein wirst wenn ich
dich hineingerissen habe
in ein Bild.
Weine um mich
wie ich sein werde wenn ich
mehr war als der Brennpunkt
des Unmöglichen.

Engel setzen über Grenzen, heilig.
Wir –

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