Gedicht des Tages

Marianne Pumb - Die Rabenmutter (Gedicht des Tages)

Die Rabenmutter
(ein Heldinnenepos)

Rabenfrau und Rabenmann
konnten sich gut leiden
balzten im Spätwinter dann
bauten’s Nest aus Zweigen
oben hoch im Baum.

Sie träumten ihren Traum
von sieben kleinen Raben
die wollten sie gern haben.

Und schon Ende Februar
brütete die Schwarzmama
bläulich Eier   wunderbar
und der stolze Rabenmann
schaffte flink das Essen ran.

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Herbert Mannel - Ein stilles Spiel (Gedicht des Tages)

Ein stilles Leben,
farbloses stilles Leben.
Sonne scheint ausgelöscht,
Schatten durchwandern den Raum.

Da sitzen wir
und trinken den blutigen Kaffee,
schwarz muss er sein, schön schwarz.
Eingesperrt in unserer Welt, schauen wir
nicht mal mehr aus dem Fenster,
schauen lieber den Porno im TV.

Dein Jammern überall,
doch das Rauschen des Meeres
hörst du nicht
in diesem Überlebensspiel
mit gefühllosen Akteuren.
Der Käfig unseres Lebens.

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Jacek T. Zieliński - Der Fremde (Gedicht des Tages)

DER FREMDE

Als Fremder erwache ich auf mir
gut bekannten Planeten
zwischen dem Geräusch der Milchflaschen
und dem Schreien der Nachbarn.
Die Hunde bellen, die Betten schwitzen,
Fabriken schmeißen den Rest
nächtlicher Schichten heraus.

Ich liege im Weiß der Bettwäsche,
als wäre ich eine Braut,
Sklavin der Vernunft,
älter als Liebe.

Ich bin abwesend.

An der Tür lauert der Atem der Stadt.

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Dieter Wöhrle - Klage einer angebrannten Tiefkühlpizza (Gedicht des Tages)

 

Klage einer angebrannten Tiefkühlpizza

Mein angekohltes Hinterteil
sieht nur, wer anhebt mich und steil
von unten auf mich schaut; jedoch
mein Duft in jedem Nasenloch
verrät auch so den Zustand mein:
Bin angebrannt, ganz von allein.

War lang im Ofen, hab geschwitzt,
derweil er vor der Glotze sitzt.
Der Schinken schwarz, der Käse braun,
bin hart und trocken, kaum zu kau’n,
bin hässlich jetzt, mein Reiz ist hin.
Bleib ungegessen, wie ich bin.

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uwe erwin engelmann - fahrt mit dem grossen wagen (Gedicht des Tages)

Fahrt mit dem Großen Wagen

Der Große Wagen
hängt im Sommer des Nachts
mitunter in meinem Fenster

Sonnenblumenfeldern gleich
weisen mir seine sieben Rosetten den Weg

Jede Nacht
steige ich dann in seinen Schragel ein
und reise mit ihm nach dahin
wo meine Träume wohnen

Gefahren bin ich mit ihm aber noch nicht
doch hoffe ich immer noch
dahin zu kommen
wohin meine Träume mich treiben

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Gülay Caglayan - Brot & Wasser (Gedicht des Tages)

Gülay Caglayan
Brot & Wasser

Verwunde mich nicht mit deinen Waffen
Bin ohnehin ohne Schild
Nehme sie auf mich meine Schuld
Doch sah ich sie zu spät
Man erntet eben was man sät

Einen Mangel an Liebe, kann man nicht durch Bestreben beheben
Manchmal braucht man eben nicht reden
Das Herz kennt die Sprache, die man spricht
Auch, wenn es weh tut und sticht

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Brigitte Spreitzer - Draußen ziehn vorüber (Gedicht des Tages)

Draußen ziehn vorüber
Menschen
Zeitknoten
Ich schnür sie nicht auf
Unserland zeitlos
gleitet durch die Lande
Ich wähle ein wenig
Blau ein wenig Purpur
Gold

lass sinken
lass sinken

In einer Geste einem
Anklang einem Vogelruf
berührst du mich

Ich bring dir die Antwort heim.

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Thomas M. Mayer - Montage Morgens (Gedicht des Tages)

Montage Morgens

Im U-Bahngeruckel frei
der Platz
neben mir
lege ich mein Zeug ab
keine Lust auf niemand
soll sich wagen
wer will
schon am frühen Morgen
neben mir
– niemand

Du schiebst
dich durch und durch
zielgerichtet
zum Platz
neben mir
kein Pardon
keine Lust auf niemand
soll sich wagen
wer will
schon am frühen Morgen
Ich
neben mir
– niemand

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