Gedicht des Tages

Günter Ullmann - Mitgift (Gedicht des Tages am 18. März 2011)

MITGIFT

Die guten Kinder in Kreta
bekamen das gute Land
im Land.
Die weniger guten,
das am Meer.
Als die Touristen kamen,
waren die „Verlierer"
die Gewinner.
So schnell kann sich
ein Nachteil in einen Vorteil
verwandeln ...

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Elisabeth Lichter - Zwischenlicht (Gedicht des Tages am 16. März)

Zwischenlicht

Im dichten Gesträuch
überwältigt Sonne am Abend
das harte Grün
wie entzündet das Leuchten
auf schmalem Blatt
eine neue Schöpfung die Weide

Ein Schatten zieht die Wolke
dunkle Äste bleiben

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J. Monika Walther - Wann soll es sein (Gedicht des Tages am 15. März)

Wann soll es sein?

Später soll es sein,
weil ich jetzt keine Zeit habe,
Geld, Pflicht, was du willst.
Wer liebt, geht verloren,
wechselt die Straßenseite,
verharrt im Wünsche aufsagen,
spricht ohne Stimme
Kinderreime.

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Christl Schmidt-Holländer - Handgehäkelte Pension (Geicht des Tages am 14. März)

Handgehäkelte Pension                                                   

Wer kann das mögen?
Die Spitzendeckchen –
die Trockenblumen –  all überall –
bunte Gartenzwerge groß und klein!
Solche Gemütlichkeit
nimmt mir die Luft.
Ich will atmen.
Aber hier steht die Häkelfrau.
Erzählt von Krebs,
Tochtergeschwüren und Enkelsorgen.

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Ulrike Kleinert - Zwanzig Jahre (Gedicht des Tages am 13.02.2011)

Zwanzig Jahre

Zwanzig Jahre fielen
Tabakkrümel auf den Tisch.
Jetzt, da ich gegangen bin,
sehe ich
ihre Muster
auf der leeren Platte
und brauche sie nicht
wegzuwischen,
um mich ihrer
zu erinnern.

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Dieter Wöhrle - Klage einer angebrannten Tiefkühlpizza (Gedicht des Tages am 12. März 2011)

Klage einer angebrannten Tiefkühlpizza

Mein angekohltes Hinterteil
sieht nur, wer anhebt mich und steil
von unten auf mich schaut; jedoch
mein Duft in jedem Nasenloch
verrät auch so den Zustand mein:
Bin angebrannt, ganz von allein.

War lang im Ofen, hab geschwitzt,
derweil er vor der Glotze sitzt.
Der Schinken schwarz, der Käse braun,
bin hart und trocken, kaum zu kau’n,
bin hässlich jetzt, mein Reiz ist hin.
Bleib ungegessen, wie ich bin.

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Doris Egger - anklage (Gedicht des Tages am 9. März)

anklage

sie raubten mir meine kindheit
ich sah wortlos verstummt zu

sie wollten mich zum
erwachsen sein zwingen

doch ich wehrte mich
gab all meine fantasie her
um sie zu übertölpeln
um mir ein stück
meiner kindheit zu bewahren

ich malte mir meine seele
aus dem leib
damit sie mit dem rest
meiner kindheit
auf papier existiere

ich besudelte unschuldig-weißes
papier mit worten
wie sich ein kind
spielend
mit schlamm
beschmutzt

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