Gedicht des Tages

Christl Schmidt-Holländer - Meine Häute (Gedicht des Tages am 20. April 2011)

Meine Häute

Eine spüre ich –
eine kenne ich –
eine quält mich!
Wo sind die anderen?
Hängen auf der Stange,
schaukeln im Wind,
locken und warten,
dass ich eine abstreife
und die nächste probiere.

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Günter Ullmann - Die Erziehung der Gefühle (Gedicht des Tages am 18. April)

Günter Ullmann

 

DIE ERZIEHUNG DER GEFÜHLE

 

das lachen gehört eigentlich

dem glücklichen kind

der aufgehenden sonne

der blühenden blume

der heilung des kranken

der befreiung der gefangenen

 

das weinen

dem tod des vaters

dem leid des kindes

dem schmerz des anderen

dem schuss an der grenze

dem gift in der welt

wie dem hunger

 

unsere gefühle werden immer wieder

durcheinandergebracht

in den endlosen fernsehabenden

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Artur Nickel - dann wieer (in deutscher und türkischer Sprache) (Gedicht des Tages am 16. April)

Artur Nickel
dann wieder

dann wieder
das zerfetzte
sonnensegel setzen
und dem wind
die stirn bieten

der sich dir
entgegenstemmt
und dir den weg
versperrt den du
gehen willst

 

 

Artur Nickel
Sonra Tekrardan

Sonra tekrardan
Parçalanmış
Güneş yelkenini takmak
Ve yele
alnını açmak

Sana
karşı direnen
Ve senin
Gitmek istediğin
Yolunu kesen yele

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Doris Egger - Schreibvereigerung (Gedicht des Tages am 15. April)

schreibverweigerung

nicht mehr schreiben wollen
nie mehr
auch keinen einzigen buchstaben

warum sollte ich mich auch
der diktatur des schreibens beugen

warum sollte ich auch
das papier mit buchstaben malträtieren

warum sollte ich auch
die mine des bleistiftes abnutzen

warum sollte ich auch
meine hirnwindungen anstrengen

kein einziger pluspunkt für das schreiben
warum sollte ich denn überhaupt schreiben

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Rainer Weingärtner - Von Schwestern und Brüdern (Gedicht des Tages am 14. April)

Von Schwestern und Brüdern  

Unter wie viel Sternenzelten
anderer Planetenwelten
leben Wesen – wie beschaffen?  
Welche staunend Sterne zählen
und sich forschend Fragen stellen –
wie wir vernunftbegabten Affen.

Zum Beispiel kluge Kakerlaken
mit irren Schrullen – witz’gen Macken.
Oder intelligente Viren –   
die mit feinsinnigsten Manieren
gegen Dummheit infizieren.

Träumte auch – auf den Plejarden
lebten kultivierte Maden.
Die in Puppen meditieren –
versponnen dort philosophieren.

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Gerhard Butke - Unterwegs (Gedicht des Tages am 12. April 2011)

Unterwegs

Unentwegt
flackert Blaulicht

An der Leitplanke
lehnt ein Fahrrad

Polizisten haben
die verwirrte Frau
auf der Autobahn
aufgegriffen

Sie weiß nicht
wo sie ist
aber sie weiß
wohin sie will

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Olivier Theobald - Tote Leitung (Gedicht des Tages am 11. April 2011)

Tote Leitung

Ich mach mir Sorgen,
ich stell mir Fragen:
Ist was verborgen?
Gibt’s was zu sagen?

Die Fragen zeigen,
wie sie entstehen.
Wie soll ich schweigen?
Was ist geschehen?

Keine Antwort weiß
jetzt Bescheid, kein Wort
wagt sich auf das Eis.
Was bewegt sich dort?

Bin ich sicher? Ist
wirklich alles da?
Alles, was du bist?
Alles, was ich sah?

Die Hoffnung bleibt
und lötet.
Was man so schreibt,
errötet?

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Vania Simeonova - Die Tür (Gedicht des Tages am 10. April)

Vania Simeonova

Die Tür

Eine Tür, auf die gebannt ich starre.
Die Zeit, bedeutungslos, bleibt stehen.
Ich will aufstehen, will sie öffnen,
Es fehlt die Kraft.
Zu schwach der Wille, klein der Geist.

Ein Leben, eine Sehnsucht!

Vania Simeonova, geb. am 11.02.1962 in Sofia, Bulgarien.
Abgeschlossenes Anglistikstudium an der Universität Sofia, Bulg. Mutter
von zwei Kindern. Lebt mit ihrer Familie seit 1990 in Deutschland, seit
2003 in Bonn.

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