Gedicht des Tages

Marianne Pumb - Nach dem Schnee (Gedicht des Tages am 22. März)

Nach dem Schnee

Wenn also das eine
nicht ohne das andere zu haben ist
Leben nicht ohne Sterben
und Liebe nicht ohne Schmerz

wäre für mich
eigentlich wieder die Liebe dran
denn der Schmerz währte schon lange
unendlich lang

Doch die Liebe scheint wirrich
und findet mich nicht
seit Jahren irrt sie vermutlich umher
kehrt immer bei Freunden und Fremden ein
nur zu mir kommt sie nicht
kommt sie nicht mehr

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Wolfgang Bullerdiek - Lärm verstummt (Gedicht des Tages am 21. März 2011)

Lärm verstummt

Lärm verstummt
im Raum,
im Haus
und überall.

Das Geschrei,
so laut,
damit wir
nicht mehr
fragen
und
sagen,
was sie
hören wollen.

Was denn
bewegt dich
und lässt dich
so zurück,
ohne Glück:

Diese laute Leere,
ist sie nicht längst
schon in dir?

Graben musst du
lange und tief
in dir und deinen
abgelegten Schichten.

Bis Stille ist
in dir
und um dich
herum.

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Günter Ullmann - Mitgift (Gedicht des Tages am 18. März 2011)

MITGIFT

Die guten Kinder in Kreta
bekamen das gute Land
im Land.
Die weniger guten,
das am Meer.
Als die Touristen kamen,
waren die „Verlierer"
die Gewinner.
So schnell kann sich
ein Nachteil in einen Vorteil
verwandeln ...

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Elisabeth Lichter - Zwischenlicht (Gedicht des Tages am 16. März)

Zwischenlicht

Im dichten Gesträuch
überwältigt Sonne am Abend
das harte Grün
wie entzündet das Leuchten
auf schmalem Blatt
eine neue Schöpfung die Weide

Ein Schatten zieht die Wolke
dunkle Äste bleiben

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J. Monika Walther - Wann soll es sein (Gedicht des Tages am 15. März)

Wann soll es sein?

Später soll es sein,
weil ich jetzt keine Zeit habe,
Geld, Pflicht, was du willst.
Wer liebt, geht verloren,
wechselt die Straßenseite,
verharrt im Wünsche aufsagen,
spricht ohne Stimme
Kinderreime.

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Christl Schmidt-Holländer - Handgehäkelte Pension (Geicht des Tages am 14. März)

Handgehäkelte Pension                                                   

Wer kann das mögen?
Die Spitzendeckchen –
die Trockenblumen –  all überall –
bunte Gartenzwerge groß und klein!
Solche Gemütlichkeit
nimmt mir die Luft.
Ich will atmen.
Aber hier steht die Häkelfrau.
Erzählt von Krebs,
Tochtergeschwüren und Enkelsorgen.

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Ulrike Kleinert - Zwanzig Jahre (Gedicht des Tages am 13.02.2011)

Zwanzig Jahre

Zwanzig Jahre fielen
Tabakkrümel auf den Tisch.
Jetzt, da ich gegangen bin,
sehe ich
ihre Muster
auf der leeren Platte
und brauche sie nicht
wegzuwischen,
um mich ihrer
zu erinnern.

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Dieter Wöhrle - Klage einer angebrannten Tiefkühlpizza (Gedicht des Tages am 12. März 2011)

Klage einer angebrannten Tiefkühlpizza

Mein angekohltes Hinterteil
sieht nur, wer anhebt mich und steil
von unten auf mich schaut; jedoch
mein Duft in jedem Nasenloch
verrät auch so den Zustand mein:
Bin angebrannt, ganz von allein.

War lang im Ofen, hab geschwitzt,
derweil er vor der Glotze sitzt.
Der Schinken schwarz, der Käse braun,
bin hart und trocken, kaum zu kau’n,
bin hässlich jetzt, mein Reiz ist hin.
Bleib ungegessen, wie ich bin.

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