Gedicht des Tages

Karin Flörsheim: Auf meiner Mondzunge (Gedicht des Tages am 1. April)

Karin Flörsheim

Auf meiner Mondzunge

Auf meiner Mondzunge
Wachsen Gedichte
In die Freiheit
Sterne
Verkünden Frieden
Ein Zaubertraum
Schon hundert Jahre alt
Durchwebt
Mein Leben
Mein Sein
Spielende Vögel
Da fing es an
Das Leben
In Frieden
In Freiheit

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Ulrike Kleinert - Die Herrin der Käse (Gedicht des Tages am 31. März)

Die Herrin der Käse

Die Herrin der Käse
herrscht mit
einem Messer.
Sie teilt
gelbes Gold,
weißes, Kräutercreme,
Pastete,
lockt die Zungen
mit einer Messerspitze
voller Genuss.

Würziger Duft
hängt in ihren Kleidern,
die Namen der Käse
ihre Regierungserklärung,
ihre blonden Locken
über der Stirn wippen,
wenn sie die Käse wiegt.

Mit den Fingerspitzen
berührt sie das Geld,
nimmt es, schaut, wie
die Kasse es verschluckt.

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Werner Hardam - Auf dem Amt (Gedicht des Tages am 30. März)

Auf dem Amt
                                       
Sie haben mich aufs Amt bestellt,
ein paar Angaben von mir würden fehlen.
Bei dieser Gelegenheit könnte ich gleich 
einige Formulare ausfüllen,
das würde auch für mich von Vorteil sein.
Schließlich könnten sie nur denjenigen helfen,
deren Daten vollständig erfasst
und in den Computer eingegeben wären.
Ich habe geantwortet, dass ich
von ihnen nichts wünschte.
Da haben sie gelacht und gesagt,
dass es so etwas nicht gäbe,

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Sanifaz Hallioglu - Die Konferenz (Gedicht des Tages am 29. März)

Die Konferenz

Mein Krebs und ich
Trafen uns am Konferenztisch
Um zu verhandeln
Wir zählten beide auf
Was bereits wem gehört

Dem Krebs gehörten
Eine Lunge, Leber, Darm, der ganze Bauch
Eierstöcke, eine Brust sowıeso
Die Wirbelsäule als Ganzes
Und der Knochen viele
Dazu dein Leben
Sagte mein Krebs mir

Mir gehörten nur noch
Arme, Beine, Gehirn, Herz
Und meine Seele

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Uwe-Erwin Engelmann - Fahrt mit dem großen Wagen (Gedicht des Tages am 28. März 2011)

Fahrt mit dem Großen Wagen

Der Große Wagen
hängt im Sommer des Nachts
mitunter in meinem Fenster

Sonnenblumenfeldern gleich
weisen mir seine sieben Rosetten den Weg

Jede Nacht
steige ich dann in seinen Schragel ein
und reise mit ihm nach dahin
wo meine Träume wohnen

Gefahren bin ich mit ihm aber noch nicht
doch hoffe ich immer noch
dahin zu kommen
wohin meine Träume mich treiben

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Christl Schmidt-Holländer - Meine Häute (Gedicht des Tages am 24. März)

Meine Häute

Eine spüre ich –
eine kenne ich –
eine quält mich!
Wo sind die anderen?
Hängen auf der Stange,
schaukeln im Wind,
locken und warten,
dass ich eine abstreife
und die nächste probiere.

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Marianne Pumb - Nach dem Schnee (Gedicht des Tages am 22. März)

Nach dem Schnee

Wenn also das eine
nicht ohne das andere zu haben ist
Leben nicht ohne Sterben
und Liebe nicht ohne Schmerz

wäre für mich
eigentlich wieder die Liebe dran
denn der Schmerz währte schon lange
unendlich lang

Doch die Liebe scheint wirrich
und findet mich nicht
seit Jahren irrt sie vermutlich umher
kehrt immer bei Freunden und Fremden ein
nur zu mir kommt sie nicht
kommt sie nicht mehr

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Wolfgang Bullerdiek - Lärm verstummt (Gedicht des Tages am 21. März 2011)

Lärm verstummt

Lärm verstummt
im Raum,
im Haus
und überall.

Das Geschrei,
so laut,
damit wir
nicht mehr
fragen
und
sagen,
was sie
hören wollen.

Was denn
bewegt dich
und lässt dich
so zurück,
ohne Glück:

Diese laute Leere,
ist sie nicht längst
schon in dir?

Graben musst du
lange und tief
in dir und deinen
abgelegten Schichten.

Bis Stille ist
in dir
und um dich
herum.

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