Gedicht des Tages

J. Monika Walther - Wann soll es sein (Gedicht des Tages am 15. März)

Wann soll es sein?

Später soll es sein,
weil ich jetzt keine Zeit habe,
Geld, Pflicht, was du willst.
Wer liebt, geht verloren,
wechselt die Straßenseite,
verharrt im Wünsche aufsagen,
spricht ohne Stimme
Kinderreime.

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Christl Schmidt-Holländer - Handgehäkelte Pension (Geicht des Tages am 14. März)

Handgehäkelte Pension                                                   

Wer kann das mögen?
Die Spitzendeckchen –
die Trockenblumen –  all überall –
bunte Gartenzwerge groß und klein!
Solche Gemütlichkeit
nimmt mir die Luft.
Ich will atmen.
Aber hier steht die Häkelfrau.
Erzählt von Krebs,
Tochtergeschwüren und Enkelsorgen.

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Ulrike Kleinert - Zwanzig Jahre (Gedicht des Tages am 13.02.2011)

Zwanzig Jahre

Zwanzig Jahre fielen
Tabakkrümel auf den Tisch.
Jetzt, da ich gegangen bin,
sehe ich
ihre Muster
auf der leeren Platte
und brauche sie nicht
wegzuwischen,
um mich ihrer
zu erinnern.

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Dieter Wöhrle - Klage einer angebrannten Tiefkühlpizza (Gedicht des Tages am 12. März 2011)

Klage einer angebrannten Tiefkühlpizza

Mein angekohltes Hinterteil
sieht nur, wer anhebt mich und steil
von unten auf mich schaut; jedoch
mein Duft in jedem Nasenloch
verrät auch so den Zustand mein:
Bin angebrannt, ganz von allein.

War lang im Ofen, hab geschwitzt,
derweil er vor der Glotze sitzt.
Der Schinken schwarz, der Käse braun,
bin hart und trocken, kaum zu kau’n,
bin hässlich jetzt, mein Reiz ist hin.
Bleib ungegessen, wie ich bin.

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Doris Egger - anklage (Gedicht des Tages am 9. März)

anklage

sie raubten mir meine kindheit
ich sah wortlos verstummt zu

sie wollten mich zum
erwachsen sein zwingen

doch ich wehrte mich
gab all meine fantasie her
um sie zu übertölpeln
um mir ein stück
meiner kindheit zu bewahren

ich malte mir meine seele
aus dem leib
damit sie mit dem rest
meiner kindheit
auf papier existiere

ich besudelte unschuldig-weißes
papier mit worten
wie sich ein kind
spielend
mit schlamm
beschmutzt

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Wolfgang Bullerdiek - Abgeschrieben (Gedicht des Tages am 8. März 2011)

Abgeschrieben

Abgeschrieben,
die alten Pferde.
Niemand besucht sie
noch
von den erwachsen
gewordenen
Menschenfreunden,
denen sie Wärme gaben
und Freundschaft.

Und sie reiben ihre Köpfe
aneinander
und stehen eng und gemeinsam
in der herbstlichen Sonne.

Und das ist genug.

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Safinaz Hallioglu - Das Auge der Zuneigung (Gedicht des Tages am 7.3.2011)

Auge der Zuneigung

Das Auge der Zuneigung entfernte ich eines Tages
Um ohne Hilfe die Umgebung zu schauen
Die Farben verzerrten sich, gesichtslos die Gesichter
Liebe verachtet, Güte umgekippt

Nachtigallen ohne Zunge, Mütter herzlos
Bäume ohne Ast blätterlos sah ich
Freunde, Verwandte, leiden konnte ich nicht mehr
Alle als meine Feinde empfand ich

Der Himmel auf Erden zur Hölle werdend
Was Mitleid heißt, wusste ich nicht mehr
Ekelte mich vor allem, was ich sah
Auch hören wollte ich nichts mehr

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Christopher Haupt - Stadtwaldurlaub (Gedicht des Tages am 6. märz)

stadtwaldurlaub

sommerlicher laubwald
nach warmem regenguss

schwül stehende luft
dunstige schwaden
aufsteigenden dampfes

dämonenschleier grün
scheinender bühnennebel
kriechen aus dem erdreich

schweißperlende blätter
vögel zwitschern verstecken
zwischen trunkenem geäst

ausatmendes unterholz
modriger duft schlängelt
über feucht wuchernde

bodendschungel eine tropische
tümpellandschaft im karbon

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