Gedicht des Tages

Doris Egger - Schreibvereigerung (Gedicht des Tages am 15. April)

schreibverweigerung

nicht mehr schreiben wollen
nie mehr
auch keinen einzigen buchstaben

warum sollte ich mich auch
der diktatur des schreibens beugen

warum sollte ich auch
das papier mit buchstaben malträtieren

warum sollte ich auch
die mine des bleistiftes abnutzen

warum sollte ich auch
meine hirnwindungen anstrengen

kein einziger pluspunkt für das schreiben
warum sollte ich denn überhaupt schreiben

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Rainer Weingärtner - Von Schwestern und Brüdern (Gedicht des Tages am 14. April)

Von Schwestern und Brüdern  

Unter wie viel Sternenzelten
anderer Planetenwelten
leben Wesen – wie beschaffen?  
Welche staunend Sterne zählen
und sich forschend Fragen stellen –
wie wir vernunftbegabten Affen.

Zum Beispiel kluge Kakerlaken
mit irren Schrullen – witz’gen Macken.
Oder intelligente Viren –   
die mit feinsinnigsten Manieren
gegen Dummheit infizieren.

Träumte auch – auf den Plejarden
lebten kultivierte Maden.
Die in Puppen meditieren –
versponnen dort philosophieren.

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Gerhard Butke - Unterwegs (Gedicht des Tages am 12. April 2011)

Unterwegs

Unentwegt
flackert Blaulicht

An der Leitplanke
lehnt ein Fahrrad

Polizisten haben
die verwirrte Frau
auf der Autobahn
aufgegriffen

Sie weiß nicht
wo sie ist
aber sie weiß
wohin sie will

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Olivier Theobald - Tote Leitung (Gedicht des Tages am 11. April 2011)

Tote Leitung

Ich mach mir Sorgen,
ich stell mir Fragen:
Ist was verborgen?
Gibt’s was zu sagen?

Die Fragen zeigen,
wie sie entstehen.
Wie soll ich schweigen?
Was ist geschehen?

Keine Antwort weiß
jetzt Bescheid, kein Wort
wagt sich auf das Eis.
Was bewegt sich dort?

Bin ich sicher? Ist
wirklich alles da?
Alles, was du bist?
Alles, was ich sah?

Die Hoffnung bleibt
und lötet.
Was man so schreibt,
errötet?

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Vania Simeonova - Die Tür (Gedicht des Tages am 10. April)

Vania Simeonova

Die Tür

Eine Tür, auf die gebannt ich starre.
Die Zeit, bedeutungslos, bleibt stehen.
Ich will aufstehen, will sie öffnen,
Es fehlt die Kraft.
Zu schwach der Wille, klein der Geist.

Ein Leben, eine Sehnsucht!

Vania Simeonova, geb. am 11.02.1962 in Sofia, Bulgarien.
Abgeschlossenes Anglistikstudium an der Universität Sofia, Bulg. Mutter
von zwei Kindern. Lebt mit ihrer Familie seit 1990 in Deutschland, seit
2003 in Bonn.

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Winfried Arenhövel - Zwieraffe /Gedicht des Tages am 8. April)

Die Zwiraffe

Man weiß, es haben die Giraffen
mit all den Affen
nichts zu schaffen.
Was hilft’s, sie von oben herab
zu betrachten,
wenn sie sich längst aus dem
Staube machten!
Darum erdachte man,
in gehöriger Distanz,
eine zweite beobachtende Instanz:
vier aufmerksame Augen,
vier Lauscher daneben –
die Zwiraffe eben.

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Wolfgang Bullerdiek - Lärm verstummt (Gedicht des Tages am 7. April)

Lärm verstummt

Lärm verstummt
im Raum,
im Haus
und überall.

Das Geschrei,
so laut,
damit wir
nicht mehr
fragen
und
sagen,
was sie
hören wollen.

Was denn
bewegt dich
und lässt dich
so zurück,
ohne Glück:

Diese laute Leere,
ist sie nicht längst
schon in dir?

Graben musst du
lange und tief
in dir und deinen
abgelegten Schichten.

Bis Stille ist
in dir
und um dich
herum.

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Dieter Wöhrle - Vier Wochen Lebensglück

Dieter Wöhrle
Vier Wochen Lebensglück

Das Leben Kurts war leer und öd.
Er ging den Leuten auf die Pelle.
Sie fanden auch sein Hobby blöd:
die neuen Eisenbahnmodelle.

Er wohnt´ bei Muttern, Hinterhaus.
Das konnte kaum ihn inspirieren.
Und abends dann, im „Treff“, bei Klaus,
blieb nur, die Barfrau anzustieren.

Doch plötzlich wie ein Donnerhall
zerstob die triste Langeweile.
Das Leben hatte Sinn: Ein Ball
trieb Kurts Adrenalin zur Eile.

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