Gedicht des Tages

Marianne Pumb - Kammerjammer (Gedicht des Tages am 13. September)

Kammerjammer

Mir ist so jammer
jämmerlich
geh in die Kammer
kämme mich

Herz gebrochen
Kochen entwichen
Schönheit ist schon
lange verblichen

Haare struppig
Freude verdorrt
ich will aus meinem
Leben fort

Bin schon kläglich
schwach, knitterlich
will nicht werden
noch bitterlich

Klage, verzage
für mich dahin
kommt doch die Sonne
mir in den Sinn

Gucke aus meinem
Kammerloch
seh keine Sonne
und staune doch

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Uwe Rossner - Einmal mehr (Gedicht des Tages)




Ich bin der Schrei, den du nicht hörst,
ich bin der Schwur, den du nicht schwörst,
ich bin das Lachen, das dir vergeht,
eine Erinnerung, die schnell verweht.

Ich bin der Weg, den du verschmähst,
ich bin der Wind, der von vorne bläst,
ich bin die Nacht, die du verneinst,
der Mann, den du nicht meinst.

Ich bin das Blaue in deinen Lügen
und das Graue in deinen Zügen,
bin für dich bloß Ballast,

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Siegfried Gebhardt - wanderer (Gedicht des Tages)



 

wanderer

unsere zeiten sind schwere zeiten
es gibt fast nichts zu tun
ich habe fast alles
wie fast alle andren auch
ich sage fast
weil ich irgendwo sitze
wo nichts läuft

da kam ein wanderzirkus auf mich zu
ich könne für sie sitzen
in einem wanderklo
ich bekam den mund nicht zu
das  irritierte sie
keine falschen vorstellungen
einspeisung  ausscheidung öffentlich
gnadenlos mit pipapo
mein kopf begann zu wiegen
vielsagend
lächelten sie
ich bekam den sitz

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Marianne Pumb - Nach dem Schnee (Gedicht des Tages)

Nach dem Schnee

Wenn also das eine
nicht ohne das andere zu haben ist
Leben nicht ohne Sterben
und Liebe nicht ohne Schmerz

wäre für mich
eigentlich wieder die Liebe dran
denn der Schmerz währte schon lange
unendlich lang

Doch die Liebe scheint wirrich
und findet mich nicht
seit Jahren irrt sie vermutlich umher
kehrt immer bei Freunden und Fremden ein
nur zu mir kommt sie nicht
kommt sie nicht mehr

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Ulrike Kleinert - Der gelbe Rock (Gedicht des Tages)



 

Der gelbe Rock
blendet den dunklen Mantel.
Sein Schlitz
gibt die atmende Haut frei,
den Geruch von Zimt
und Zitrone.

Den Mantel lang,
überm Haar das Tuch,
keine Spur Haut,
der Duft der Frau
bewahrt für zu Haus.

So kreuzen
geschlitzter Rock und langer Mantel,
werden der Jogginghose
kaum gewahr,
des federnden Turnschuhs.

Jede Frau auf ihrer Bahn.
Wie sieht sie
die andere wohl an?

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Robert Höpfner - Ein eigenartiger Tag (Gedicht des Tages)

Download: Audio icon höpfner.mp3

Ein eigenartiger Tag

der damit begann, dass alles Vergangene
abhanden gekommen war. Das Gestern
hatte sich ausgeklinkt aus der Kette.
Beteiligungslos standen die Bäume
vor den Ästen, die ihnen der Sturm
ausgerissen hatte. Der Himmel -
unvorhergesagt blau. Wer hat all
die Häuser hingestellt? Die Straßen,
wo ist der Anfang, wo das Ende?
In dieser Stunde stellten sich
diese Fragen nicht. Alles hatte
zur Gleich-Gültigkeit gefunden.
Zwischendrin blitzte für Augenblicke
auf, wie es sein könnte...

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