Gedicht des Tages

Jacek T. Zielinski: Ohne Titel

OHNE TITEL


Fremde Stadt knurrt mich an
ich stehe am Fenster
sie ist mein Verrat
Insel, orientalischer Schmetterling
nicht zu Ende geschriebene Elegie

wenn sie meine Demut im Verlies ihrer Grenzen hält
mag ich es

Jeden Morgen begrüße ich sie
mit Frühling in den Hosen
auf polnisch, persisch, deutsch
ich träume mich in ihre Eingeweiden
und warte

sie wird mir unterliegen

irgendwann
 

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Gerhard Rombach - Sie werden uns anklagen (Gedicht des Tages)

Sie werden uns anklagen

 

Einmal wird man sagen

sie haben es kommen sehen

und nichts getan

 

Sie haben gewusst

die Katastrophe würde kommen

und haben nichts getan

 

Einmal wird man sagen

sie hätten es

abwenden können

 

Damals als die Wälder

grün waren und Schnee

die Berge bedeckte

 

Doch sie haben nichts getan

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Jacek T. Zielinski - Der Fremde (Gedicht des Tages)


DER FREMDE

Als Fremder erwache ich auf mir
gut bekannten Planeten
zwischen dem Geräusch der Milchflaschen
und dem Schreien der Nachbarn.
Die Hunde bellen, die Betten schwitzen,
Fabriken schmeißen den Rest
nächtlicher Schichten heraus.

Ich liege im Weiß der Bettwäsche,
als wäre ich eine Braut,
Sklavin der Vernunft,
älter als Liebe.

Ich bin abwesend.

An der Tür lauert der Atem der Stadt.
Er will mich jagen.
In den Landschaften nur mir bekannter Halbinsel
werde ich zum Buch
der Psalme.

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Ulrike Kleinert - Menschrechte im Garten (Gedicht des Tages)

Menschenrechte im Garten

Wo wäre ein besserer Platz
als in diesem Garten,
den die Bürger mit
Zähnen und Groschen verteidigen.

Wo würden sie
besser gepflegt als hier,
wo Schulklassen
ihre Buchstaben polieren.

Wo sonst könnten sie sich
so an die Erde schmiegen
im langen Band
und unseren Wegen Halt geben.

Wir können an ihnen wandeln
in der Blüte der Büsche,
im Geruch der Kräuter,

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