Gedicht des Tages

Melanie Michels - Die Wahrheit (Gedicht des Tages)

Die Wahrheit

Die Liebe starb mit Gott
an dem Tag,
an dem der Mensch
seinen unvollkommenen Geist
über die verkümmerten Reste
seiner undankbaren Seele stellte

Die Wahrheit existiert.
Sie ist das pure Sein.

Kein Gedanke und kein Wort,
doch ein Gefühl in uns,
der Kern jedes Menschen,
der mit der Nichtbeachtung
seines göttlichen Lichtes
in dem fortan nie endenden
Schwarz
der großen Fragen verschwand.

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Karin Flörsheim - Ängste (Gedicht des Tages am 28. April)

Ängste

Ängste
Wieder gespiegelt
In sternlosen Augen

Soldatenkrüppel
Wachsen
Wie Pilze
In blutigen
Moosen

Waisenkinder
In Gettos
Werfen Steine
Tragen Waffen

Mein Herz liegt
In der Schale
Des Übels
Kann sich nicht
Wehren

 

‚Tet-tow-gut, Frieden'(2006)

Pastell, Acryl, Metallicstift auf Lokta-Pflanzenpapier,
50x 39 cm
Karin Flörsheim

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Wolfgang Buchhorn - ERzähle mir (Gedicht des Tages am 28. Dezember)

Download: Audio icon buchorn_3.mp3

Erzähle mir

Erzähle mir
Auf dass ich leben kann
Von Bauern und von Kämpfern
Von Dichtern und von Heiligen
Was du erlebtest
Und dann auch das
Wovon du träumst

Erzähle mir
Von Wundern und vom Leid
Vom Irren und von Hoffnung
Vom Zweifel und Gelehrsamkeit
Erzähle mir die Worte
Auch die ungenauen
Erzähle mir Geschichten

Erzähle mir
Was dich gefreut und stark gemacht
Was weitete den Horizont
Was gab dir Kraft und Mut
Und gab es Unglück
Gar den Tod

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Herbert Mannel: Verqualmter Raum (Gedicht des Tages)

Verqualmter Raum.
Musik dröhnt in meinem Kopf.
Schau noch ab und zu zur Tür, vergeblich.
Ein alter Mann in der Ecke schläft.
Verdammter Alkohol.
Von draußen das Lachen eines Liebespaares.
Komm schenk noch mal ein.
Frag nicht lange.
Tiefe Wunden heilen schlecht.
Nicht nur Rosen haben Dornen.
Nein, kein Vermissen mehr.
Komm frag nicht lange,
schenk mir einfach ein.
Tiefe Wunden heilen langsam
und verdrängen das Überleben.
 

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Thi Quynh Anh Nguyen - Der kahle Karl (Gesprochen von der Autorin)



Einst lebte ein armer kahler Karl.
Kahl, weil er keine Haare hatte.
Arm, weil er noch jung war.
Der arme kahle Karl konnte nichts dafür.
Er war kahl. Der Arme.
Der kahle Karl war ein ganz komischer Junge.
Er spielte weder mit den anderen Kindern
Noch mit den anderen kahlen Karls,
Den alten kahlen Karls.
Karl war komisch.
Karl war kahl.
Karl blieb immer zu Hause.
Auch da spielte er nicht.

Ich wollte nie mit Karl spielen.
Karl war komisch.

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