Gedicht des Tages

Jacek T. Zielinski - Ohne Titel (Gedicht des Tages)




 

OHNE TITEL

Fremde Stadt knurrt mich an
ich stehe am Fenster
sie ist mein Verrat
Insel, orientalischer Schmetterling
nicht zu Ende geschriebene Elegie

wenn sie meine Demut im Verlies ihrer Grenzen hält
mag ich es

Jeden Morgen begrüße ich sie
mit Frühling in den Hosen
auf polnisch, persisch, deutsch
ich träume mich in ihre Eingeweiden
und warte

sie wird mir unterliegen

irgendwann

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Annika Conrad - Ich träume (Jugendliche melden sich zu Wort)

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Heute ist Zeit für deine Träume - das dritte Buch von Essener Kindern und Jugendlichen
 

Ich träume

Ich träume von
Endlosem Frieden
Auf der ganzen Erde
Und noch weiter

Ländern ohne Krieg
Kindern ohne Hunger
Menschen ohne Trauer
Nur mit Lebensfreude

Ich träume von
Einer vollkommenen Gesellschaft
Einem Miteinander
Aus purer Freundlichkeit

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Marianne Pumb - Katzenjammer (Gedicht des Tages)


 

Pumb, Marianne: Die Liebe scheint wirrich

 

Kammerjammer

Mir ist so jammer
jämmerlich
geh in die Kammer
kämme mich

Herz gebrochen
Kochen entwichen
Schönheit ist schon
lange verblichen

Haare struppig
Freude verdorrt
ich will aus meinem
Leben fort

Bin schon kläglich
schwach, knitterlich
will nicht werden
noch bitterlich

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Melissa Meinhardt: Was uns bleibt (Jugendliche melden sich zu Wort)

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Was uns bleibt

Was bedeutet Morgen?
Morgen bedeutet Zukunft.
Was bringt die Zukunft?

Wir, die wir in einem Jahr das Abitur haben wer-den, erhoffen uns
viel von der Zukunft: einen Ausbildungsplatz, ein gutes Studium, einen
Job, der Spaß macht und bei dem man dazu noch gutes Geld verdient.

Aber ist das die Realität?

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Jacek T. Zieliński - Der Fremde (Gedicht des Tages)


DER FREMDE

Als Fremder erwache ich auf mir
gut bekannten Planeten
zwischen dem Geräusch der Milchflaschen
und dem Schreien der Nachbarn.
Die Hunde bellen, die Betten schwitzen,
Fabriken schmeißen den Rest
nächtlicher Schichten heraus.

Ich liege im Weiß der Bettwäsche,
als wäre ich eine Braut,
Sklavin der Vernunft,
älter als Liebe.

Ich bin abwesend.

An der Tür lauert der Atem der Stadt.
Er will mich jagen.
In den Landschaften nur mir bekannter Halbinsel
werde ich zum Buch
der Psalme.

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