Gedicht des Tages

Safinaz Hallioglu - Auge der Zuneigung (Gedicht des Tages)



 

Auge der Zuneigung

Das Auge der Zuneigung entfernte ich eines Tages
Um ohne Hilfe die Umgebung zu schauen
Die Farben verzerrten sich, gesichtslos die Gesichter
Liebe verachtet, Güte umgekippt

Nachtigallen ohne Zunge, Mütter herzlos
Bäume ohne Ast blätterlos sah ich
Freunde, Verwandte, leiden konnte ich nicht mehr
Alle als meine Feinde empfand ich

Der Himmel auf Erden zur Hölle werdend
Was Mitleid heißt, wusste ich nicht mehr
Ekelte mich vor allem, was ich sah
Auch hören wollte ich nichts mehr

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Brigitte Spreitzer - Sturmstoß (Gedicht des Tages)

Ein Sturmstoß aus Nichts
lockert jäh mir den Griff
Die Hände
andrem unterstellt
als meinem Wollen
lassen los, stumm erschreckend los
Etwas
ganz anders als Denken
ganz anders
gewahrt mein Verlorensein
Versteht es in stummem Erschrecken
sich an Nichts zu halten
Weiß es ganz
Spiraliges Nebeln
in Abgrund und Grund
ganz anders als Fühlen
ganz anders
erkennt mich substanzlos Sein.

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Gisela Conring: Angefangene Tage (Gedicht des Tages)

Gisela Conring
Angefangene Tage

Es gab Tage
da glaubte ich
dass auch mir
die Bäume
in den Himmel wachsen

Tag- oder Nachtträume
sind Wünsche
gefüllt mit Honig
vergällt mit Wirklichkeit

Es gab Nächte
da hoffte ich
dass meine Träume
nicht nur geträumt
waren

Meine Träume hängen
an einer dünnen Schnur
schon eine kleine
Windboe kann
sie zerreißen

Einige habe ich
aufgefangen

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J. Monika Walther - Die Farbe Schwarz (Gedicht des Tages)

Die Farbe Schwarz

Setze nicht voraus.
Fahrt in die Nacht
zwischen Sandhagen und
den Lichtungen im Gespensterwald.
Dem Kompass der Dinge folgen wir
bis der Narrenbaum gesetzt ist
mit leuchtenden Silberschellen.
Du kannst mir glauben
ich weiß nicht wo wir sind.

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Gisela Conring - Standgut (Gedicht des Tages)

Giesela Conring
Standgut

 

Giesela Conring

Strandgut

Deine Kindheit
an den Wassern
umhüllte
weißer Sand

Sonnengebleicht
deine Locken
Denkmäler
formten
deine Füße
leichtläufig
am Strand

An hellen
Tagen
wenn Ebbe
den Strand
freigibt
die Sinne
geöffnet
für Wunder

Findest du
Kinderfüße und
Herzmuscheln

Trägst sie für
immer
nach Hause

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Rani Babita: Davon träume ich (Jugendliche melden sich zu Wort)

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Davon träume ich

Ich träume häufig
vom Fliegen.
Ganz allein kann ich
über Berge und Täler,
Wiesen und Felder,
Wälder und Meere fliegen.
Wenn ich müde bin,
kann ich mich
auf einer weißen Wolke
ausruhen.
So fliege ich
bis nach Indien.
Ich lande vorsichtig
und besuche
meine Verwandtschaft
in Delhi und in Punjabi.

Rani Babita (13 Jahre)

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Marianne Pumb: Ausgegangen (Gedicht des Tages)

Ausgegangen

Ich möchte ausgegangen werden
Doch wohin
Wie wird das sein dort oben
Oder nichts

Mein Leib mein Leben
Will ertötet werden
Doch ach beileibe nicht
Ich will leibhaftig sein

Und bin ich auch beleibt
Leibeigen noch dazu
Von meiner Kümmernis  
Ich möchte Ruhe finden

Möcht rastend mich erquicken
Trübseligkeit leb’ wohl
Und Not um mich herum
Lebt ab, lasst mich allein

Ich will lebendig sein

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