Gedicht des Tages

Erich Pfefferlen - Leseabend (Gedicht des Tages)

Pfefferlen Erich
Leseabend

 

LESEABEND

am abend liest der wind
in farbenfrohen horizonten immerzu
buchstaben für buchstaben, wort für wort
bis die nacht im traum versinkt
dunkel und farben neu erfunden werden
für ein sprühendes feuerwerk
tagfrisch, hoffnungsfroh

 

aus seinem neuen Band

Erich Pfefferlen: Schweigen segelt lautlos

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Manfred Schwab - Utopie-Verbot (Gedicht des Tages)

 

Utopie-Verbot

Als es nur den nackten kalten
Kapitalismus gab
ach wie hofften da die Menschen
auf den wärmenden Mantel des Sozialismus

Als sie den zerlumpten Mantel
des bürokratischen Sozialismus sahen
ach wie hofften da die Menschen
auf den herausgeputzten Kapitalismus

Als der Staatssozialismus eines Tages
seine reale Existenz aufgab
und der Kapitalismus
die Weltherrschaft antrat
wie fuhr da die Hoffnung von Generationen
ach ins finstere Grab

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Vanja Michailova: Entkommen (Gedicht des Tages)

ENTKOMMEN

Eines Tages will ich entrinnen
und mich verlieren.
Ich will mich zerschmeißen,
mich zerreißen, mich zerfleischen, mich zerbeißen …
Und schweigen! Nichts sagen!

Ich will die Wand durchbrechen
und mich an dem Leben rächen.
Ich will mich einmal verdrecken
und dann … verrecken.

Ich will diese verdammte Zelle –
meinen Körper –
zersägen, zerfetzen, zerfressen
und mich entfesseln.

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Autor: 

Buch: 

Wolfgang Buchhorn - Der eine Ton (Gedicht des Tages) gelesen von Anne-Katrin Beimforde

Der eine Ton

Der eine Ton
Aus der stillen Höhe des Domes
Öffnet
Unberührt vom brausenden Alltag
Unerwartet
Tore zur Seligkeit

Tränen des Dankes
Berühren die lächelnden Augen

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Buch: 

Volker Gallé - Wortdrachen (Gedicht des Tages)

wortdrachen


segeln von norden herein.
den kiel nach oben.
zungen auf die eichenbretter genagelt.
und schlagen plötzlich los,
sich versichernd letzten lebens
an diesem meergrauen morgen.
spucken beleidigungen hinaus in die fratzen der u-bahn-schächte
und behaupten dabei,
schon länger verletzt zu sein
vom anderen.
jedermanns tod nehmen sie in kauf,
aus nichtigem anlass.
lassen die schätze abseits der heerrouten liegen:

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Safinaz Hallioglu - auge der zuneigung (Gedicht des Tages)



 

Auge der Zuneigung

Das Auge der Zuneigung entfernte ich eines Tages
Um ohne Hilfe die Umgebung zu schauen
Die Farben verzerrten sich, gesichtslos die Gesichter
Liebe verachtet, Güte umgekippt

Nachtigallen ohne Zunge, Mütter herzlos
Bäume ohne Ast blätterlos sah ich
Freunde, Verwandte, leiden konnte ich nicht mehr
Alle als meine Feinde empfand ich

Der Himmel auf Erden zur Hölle werdend
Was Mitleid heißt, wusste ich nicht mehr
Ekelte mich vor allem, was ich sah
Auch hören wollte ich nichts mehr

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