Gedicht des Tages

Karin Flörsheim - Kühler Morgenwind (Gedicht des Tages am 2. Juli)

Kühler Morgenwind

Kühler Morgenwind
Auf warmer Haut
Unruhe
Breitet sich aus

Zurück in meinen
Raum
Möchte ich gehen
Finde die Türe nicht

Spät am Abend
Nach Irrwegen durch
Gärten und Wolken
Geh ich in die Wärme
Meines Tuns

Mein Tisch strömt
Den Tag aus
Er ist mir nicht fremd
Doch ich finde mich nicht

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Bullerdiek, Wolfgang - Der Gefangene (Gedicht des Tages)

Der Gefangene

Spöttisch wirft die Sonne
das Gitter auf mein Buch.
Die Stäbe stehen
zwischen den Zeilen.

Jeder Vogel sagt,
er singe nicht für mich.
Auf die Wände, die verzeichneten,
malt das Gitter schwarze Streifen.
Und nachts manchmal
kommt der Mond – ein bleiches Kalb.

Worte, Seiten, Lügen, Trug:
Geschmückte Grenzpfähle
verzagender Gedanken.
Hastig lege ich
die Stunden ab.
Doch kehrt Heute morgen
als Gestern zurück.

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Jacek T. Zielinski - Der Fremde (Gedicht des Tages)

Zielinski, Jacek T. - Mein Zahir. Gedichte

DER FREMDE

Als Fremder erwache ich auf mir
gut bekannten Planeten
zwischen dem Geräusch der Milchflaschen
und dem Schreien der Nachbarn.
Die Hunde bellen, die Betten schwitzen,
Fabriken schmeißen den Rest
nächtlicher Schichten heraus.

Ich liege im Weiß der Bettwäsche,
als wäre ich eine Braut,
Sklavin der Vernunft,
älter als Liebe.

Ich bin abwesend.

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Thomas M. Mayr - Losjagen (Gedicht des Tages)

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Losjagen

 

Noch einmal loslaufen

ohne Ziel

und frei der Zeit

Staub unter den Zehen

und von dort unten

den Schrei

durch den Körper jagen

bis in die Haarspitzen

spüren was keimt

den Wind mit meinem Geruch färben

der Sonne meine Haut unter die Strahlen reiben

mit den Vögeln um die pure Lust lachen

und singen

singen

bis Antwort kommt

und die Blätter fallen

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Sigune Schnabel - Skuptur (Gedicht des Tages)

Sigune Schnabel
Skulptur

 

Ich habe um meine Haut
eine Schutzmauer gebaut.
Doch sie meißelten mein Gesicht
in Stein und schlugen
in die Lachfalten ihre Träume hinein.

An die Wand pflanzten sie emsig Rosen.
Als sie verblühten,
tropften Hagebuttensäfte
durch die Risse im Relief.

Ein Schleifstein schlug in ihrer Brust,
der jede Ecke, jede Kante von mir wetzte
und sie im sichren Glauben ließ,
er glätte meine Form.

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