Gedicht des Tages

Sirka Elspaß - Mittagszeit (Jugendliche melden sich zu Wort)

 

Mittagszeit
(Blick aus meinem Dachfenster)

Die Läden unten klappern. Ich kann sie hören,
obwohl ich im Himmel bin. Unter mir der Flieder,
der blüht zum ersten Mal im Jahr. Ich will das Bild nicht stören
und bleib ganz still. Mal wieder.

Die Welt da unten regt sich. Ich kann sie sehen.
Der Asphalt ist ein wenig wie Parkett, auf dem
Kinder tanzen. Es ist bald Mittag, und es wird Zeit zu gehen.
Beim Ruf der Mutter laufen sie, die Schuhe voller Lehm.

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Dieter Wöhrle - Stimmen, nicht nur aus dem Radio (Gedicht des Tages)

Stimmen, nicht nur aus dem Radio

Du sollst im Betrieb mit Bravour funktionieren.
Am Tag schaffst allein du die Arbeit von vieren,
verbringst selbst den Abend mit Dokumentieren
und damit, Kollegen zu evaluieren.
Im Radio hörst du: Es geht uns doch gut.
Du fragst dich sodann, was die Dame wohl tut,

die früher beschäftigt war mit Formularen,
mit Ausfüllen, Ablegen oder Verwahren.
Sie kannte sich aus in Verwaltungsverfahren
und wurde entlassen. Um noch mehr zu sparen,

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Jacek T. Zielinski - Der Fremde (Gedicht des Tages)

Zielinski, Jacek T. - Mein Zahir. Gedichte

DER FREMDE

Als Fremder erwache ich auf mir
gut bekannten Planeten
zwischen dem Geräusch der Milchflaschen
und dem Schreien der Nachbarn.
Die Hunde bellen, die Betten schwitzen,
Fabriken schmeißen den Rest
nächtlicher Schichten heraus.

Ich liege im Weiß der Bettwäsche,
als wäre ich eine Braut,
Sklavin der Vernunft,
älter als Liebe.

Ich bin abwesend.

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