Gedicht des Tages

Semra Basdemir - schwer und leicht (Kinder und Jugendliche melden sich zu Wort)



SCHWER UND LEICHT

Manchmal fühle ich
Mich einsam
Weiß nicht wohin

Bin ich hier
Hier in Deutschland
Richtig

Oder will ich zurück
In meine Heimat
Ich weiß es nicht

Das Leben in Deutschland
Es ist schwer und leicht
Ich lebe hier

Ich gehe hier
In eine Schule
Werde als Ausländerin bezeichnet

Bedeutet es
Dass ich mich
Nicht integriert habe

Ich habe hier viele Rechte
Die Frauen und Männer
Sind gleich

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Brigitte Spreitzer - Draußen ziehn vorüber (Gedicht des Tages am 30. September)

Draußen ziehn vorüber
Menschen
Zeitknoten
Ich schnür sie nicht auf
Unserland zeitlos
gleitet durch die Lande
Ich wähle ein wenig
Blau ein wenig Purpur
Gold

lass sinken
lass sinken

In einer Geste einem
Anklang einem Vogelruf
berührst du mich

Ich bring dir die Antwort heim.

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Herbert Mannel - Ein stilles Spiel (Gedicht des Tages)

Mannel, Herbert - Jeder küsst nur seinen Schatten

 

Ein stilles Leben,
farbloses stilles Leben.
Sonne scheint ausgelöscht,
Schatten durchwandern den Raum.

Da sitzen wir
und trinken den blutigen Kaffee,
schwarz muss er sein, schön schwarz.
Eingesperrt in unserer Welt, schauen wir
nicht mal mehr aus dem Fenster,
schauen lieber den Porno im TV.

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Günter Ullmann - Die Erziehung der Gefühle (Gedicht des Tages)

 

das lachen gehört eigentlich

dem glücklichen kind

der aufgehenden sonne

der blühenden blume

der heilung des kranken

der befreiung der gefangenen

 

das weinen

dem tod des vaters

dem leid des kindes

dem schmerz des anderen

dem schuss an der grenze

dem gift in der welt

wie dem hunger

 

unsere gefühle werden immer wieder

durcheinandergebracht

in den endlosen fernsehabenden

in den billigen träumen der liebes-

kriminal- und wild-westromane

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Ulrike Kleinert - Die Gespenster (Gedicht des Tages)



 

Die Gespenster

 

Die Gespenster spielen auf,

ihre braunen Jacken

haben sie ausgezogen

und mit T-Shirts vertauscht.

Sie fahren keine Panzer

sondern auf der Datenautobahn,

ihre Aufmärsche zu zweit oder fünft

finden mehr am Biertisch

als in den Straßen statt.

Ihr Lachen zwishen den Zähnen

schimmert perlweiß

 

Sie heban das Gesicht

von Söhnen, Brüdern, Freunden,

Ehemännern

 

Viel von ihnen

schlagen nie zu.

 

Sie spenden nur

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