Gedicht des Tages

Herbert Mannel: Ein stilles Spiel (Gedicht des Tages)

Herbert Mannel
Ein stilles Spiel

 

Ein stilles Leben,
farbloses stilles Leben.
Sonne scheint ausgelöscht,
Schatten durchwandern den Raum.

Da sitzen wir
und trinken den blutigen Kaffee,
schwarz muss er sein, schön schwarz.
Eingesperrt in unserer Welt, schauen wir
nicht mal mehr aus dem Fenster,
schauen lieber den Porno im TV.

Dein Jammern überall,
doch das Rauschen des Meeres
hörst du nicht
in diesem Überlebensspiel
mit gefühllosen Akteuren.
Der Käfig unseres Lebens.

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Safinaz Hallioglu - Fremd und doch daheim (Gedicht des Tages)

Fremd und doch daheim

In Mamas Bauch und davor
War ich daheim
Als Baby war ich überall fremd
Wo ich die Sprache nicht verstand
Als junger Mensch war ich überall fremd
Wo ich kein Buch zum Lesen fand
Als Ärztin war ich überall fremd
Wo ich keine Patienten sah
Als Mutter war ich überall fremd
Wo ich keine Kinder hatte
Jetzt habe ich alle meine Rollen vereint
Und bin ein Menschenkind
Als Menschenkind bin ich daheim
Überall wo ich ein Menschenherz erkenne

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Karin Flörsheim - Vor meinen Augen (Gedicht des Tages)

Vor meinen Augen


Vor meinen Augen
Blüht der Sommer
Vielfarbige Landschaft
Unter meinem Lid

Fliege wie Amseln
In hohe Räume
Bin von Wolkenwärme
Vor dem Absturz geschützt

Wohne Stunden
Auf Zauberinseln
Nehme Wort und Mensch
Mit mir und Wein

Singe ein Lied
Lasse Legenden wachsen
Auch die Träume
Da fängt das Leben an

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Marianne Pumb - Ausgegangen (Gedicht des Tages)

Ausgegangen

Ich möchte ausgegangen werden
Doch wohin
Wie wird das sein dort oben
Oder nichts

Mein Leib mein Leben
Will ertötet werden
Doch ach beileibe nicht
Ich will leibhaftig sein

Und bin ich auch beleibt
Leibeigen noch dazu
Von meiner Kümmernis  
Ich möchte Ruhe finden

Möcht rastend mich erquicken
Trübseligkeit leb’ wohl
Und Not um mich herum
Lebt ab, lasst mich allein

Ich will lebendig sein

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Brigitte Spreitzer - Ein Sturmstoß (Gedicht des Tages)

Ein Sturmstoß aus Nichts
lockert jäh mir den Griff
Die Hände
andrem unterstellt
als meinem Wollen
lassen los, stumm erschreckend los
Etwas
ganz anders als Denken
ganz anders
gewahrt mein Verlorensein
Versteht es in stummem Erschrecken
sich an Nichts zu halten
Weiß es ganz
Spiraliges Nebeln
in Abgrund und Grund
ganz anders als Fühlen
ganz anders
erkennt mich substanzlos Sein.

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Manfred Schwab - Holunderduft (Gedicht des Tages)


Manfred Schwab
HolunderDuft

 

HolunderDuft

Missmutig fahr ich der Stadt entgegen
Die Scheibenwischer duellieren sich
mit dem Landregen

Im Lodenmantel, knöchellang
kommt mir dieses Mädchen entgegen
schubst lächelnd sein helles Gesicht
in den Regen

Woher der plötzliche
Holunderduft, woher
meine schmerzliche Freude?
 

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