Allgemeine News

Frank M. Fischer - Lesen üben (in Deutsch und Englisch)

Lesen üben


Zwischen den Zeilen, sagt man
Liest jeder auf eigene Gefahr
Die Wege zwischen den Bausätzen
Sind verwegene Gänge zu sich selbst
Verwobene Geisterpfade aus
Vergangener Zeit als Spuren gelegt
Und folgt man den Bröckchen Brot
Verhänselt sich der Follower leicht
Im Gehege der säuselnden Stimmen
Im Nichts als Staub greift
Seine Hand, ins leere Gehirn
Wo sich Ventrikel weiten ins Dunkel
Seines Oberstübchens, dabei lebt
Das Geschöpf seiner Ahnungen
In tiefen Gewässern weit darunter

Jos F. Mehrings - Gedanken zum Jahreswechsel

Gedanken zum Jahreswechsel
Jos F. Mehrings

Gedanken einer vor Putins Bomben aus der Ukraine geflüchteten Mutter
Ich fühle wie eine verdorrte Blume
trage Ängste wie ein Kind
bin ratlos wie eine Verirrte
verloren wie ein Kieselstein
es ist zu viel, es ist alles zu viel,
ich habe kaum Hoffnung, ich sehe kein Ziel

Gedanken einer aus Syrien vor Erdogans Bomben geflüchteten Mutter  
Ich fühle wie eine verdorrte Blume
trage Ängste wie ein Kind
bin ratlos wie eine Verirrte
verloren wie ein Kieselstein

Thomas Bartsch - Die Wende

Die Wende
Aus dem Schattenland
Führte dich auf weitem Feld
Zu einem tragenden
Nährenden Fluss
Der auch dich
In Nächten fand
Dich im Traum
Mit dir verband
An deinem
Innersten Ort

Die jedoch
Den Schatten warfen
Aus hämisch
Verkennender Angst
Wähnen noch dort
Deine Spur
Deinen Atem
Wo ratlos sie rufen
Flüchtige Namen
Doch du bist seit langem
Schon fort

Erlöst singst du nun
Den Fluss entlang
Auf freudig ernsthafter
Wanderschaft

Sigune Schnabel - Ich will zurück ans andere Ende der Geschichte

Ich will zurück ans andere Ende der Geschichte


Der Schnee gleicht Mutters Worten.
So leicht. Ich hüpfe umher
und fange sie blank.
Das Büblein ist einmal spazieren gegangen.
Im Wiesental schüttele ich die Landschaft ab.
Aus Schlaf. Stoße mich frei. Liege bloß.
Da ist ein Schifflein gekommen
bis unter die Haut. Wasser staut sich
in meinem Körper. Kürzt Sätze ab. Wetzt Stimmen.
Aber gib acht! Das ging wie der Wind!
Worte jagen durch Jahre.
Wohin sie gehen.
Dort hängt das Büblein und zappelt noch.

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