Gedicht des Tages

Gerhard Butke - Werbung (Gedicht des Tages am 2. September)

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in Immobilienfonds
empfiehlt
im Schaufenster
ein Plakat
farbig hochglänzend

Auf einem Zettel
weiß kariert
an die Wand geklebt
mit Tesakrepp
steht in ungelenker Schrift
Krieg ist Scheiße

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Buch: 

Ulrike Kleinert - Gegen den Krieg (Gedicht des Tages am Antikriegstag 2010)

Gegen den Krieg
Kosovo 1999

Einmal muss ich sterben,  
aber wenn mein Kind,
das doch weiterleben soll,
wenn ich tot bin,
vor mir stirbt, werde ich
schon vorm Sterben sterben.

Viele Kinder sterben
in unzähligen Ländern der Erde,
ihre Mütter, die noch leben,
sind mitgestorben,
bei jedem Kind mitgestorben,
mehr und mehr gestorben.

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Buch: 

Jana Jürß - Vorbei (Gedicht des Tages am 31. August)

Vorbei

Vorbei der Tag
die Stunde vergessen
die es gab
die uns vereint
die uns
hat lieben lernen lassen.

Vorbei der Tag
die Tränen verronnen
die alle spürten
die Freiheit liebten
die uns
zahllos übers Gesicht flossen.

Vorbei die Zweifel
die Unfreiheit vergessen
die uns drückte
die uns fast zermalmte
die uns
am Ende stark machte.

Vorbei der Tag
das Lachen verschluckt
das der Menschen
das des Glücks
das uns
die Mauer einreißen ließ.

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Doris Egger - Fäuste (Gedicht des Tages am 28. August)

fäuste

fäuste
schlagen
trommeln
in wildem stakkato
auf wände ein
wie kugeln aus gewehrläufen schießen
so bearbeiten die geballten fäuste
in rastlosem trommelwirbel die wände

die hände erschlaffen
fallen hernieder wie welkes laub im herbst von den bäumen
unnütz geworden
fast unbrauchbar
nur noch ein fernes sehnen durchläuft die sehnen
ein bewusstsein an andere zeiten
als die schlaffen hände
noch fäuste waren
vor kraft strotzend und stolz
und nun

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Autor: 

Buch: 

Dieter Wöhrle - Klage einer angebrannten Tiefkühlpizza (Gedicht des Tages am 26. August)

Klage einer angebrannten Tiefkühlpizza

Mein angekohltes Hinterteil
sieht nur, wer anhebt mich und steil
von unten auf mich schaut; jedoch
mein Duft in jedem Nasenloch
verrät auch so den Zustand mein:
Bin angebrannt, ganz von allein.

War lang im Ofen, hab geschwitzt,
derweil er vor der Glotze sitzt.
Der Schinken schwarz, der Käse braun,
bin hart und trocken, kaum zu kau’n,
bin hässlich jetzt, mein Reiz ist hin.
Bleib ungegessen, wie ich bin.

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Ulrike Kleinert - Die Gespenster (Gedicht des Tages vom 22. August) gelesen von Verena Arlinghaus

Die Gespenster

 

Die Gespenster spielen auf,

ihre braunen Jacken

haben sie ausgezogen

und mit T-Shirts vertauscht.

Sie fahren keine Panzer

sondern auf der Datenautobahn,

ihre Aufmärsche zu zweit oder fünft

finden mehr am Biertisch

als in den Straßen statt.

Ihr Lachen zwishen den Zähnen

schimmert perlweiß

 

Sie heban das Gesicht

von Söhnen, Brüdern, Freunden,

Ehemännern

 

Viel von ihnen

schlagen nie zu.

 

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Karin Flörsheim - So viele Namen (Gedicht des Tages am 21. August 2010)

So viele Namen

So viele Namen
Namenlos
Im Liniengewirr
Der Buchstaben

Viele Namen
Namenlos
In Kreuzwegen
Der Gedanken

Viele viele Namen
Im Kreise
Der Zeilen
Namenlos
Im Gedenken

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Stanislaw Wygodzki - Statistik (Gedicht des Tages am 18. August)

STATISTIK

Auch dich vermerken Statistiken karg
in der Zahl der Vermißten.
– Vor mir Diagramme, Ziffern und Listen.
Ich seh’ einen Sarg.

In Millionen von Kindern, des Lebens beraubt,
auch du einbezogen.
– Und nachts mein Schatten, schwarz und verbogen
mit hängendem Haupt.

Gezählt auch du in der Summe der Qualen
durch Krieg und Brand.
– Ein fahriger Schatten, steh ich gebannt,
vereist über Zahlen.

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