Gedicht des Tages

Ulrike Kleinert - Die Gespenster (Gedicht des Tages vom 29. Juli) gelesen von Verena Arlinghaus

Die Gespenster

 

Die Gespenster spielen auf,

ihre braunen Jacken

haben sie ausgezogen

und mit T-Shirts vertauscht.

Sie fahren keine Panzer

sondern auf der Datenautobahn,

ihre Aufmärsche zu zweit oder fünft

finden mehr am Biertisch

als in den Straßen statt.

Ihr Lachen zwishen den Zähnen

schimmert perlweiß

 

Sie heban das Gesicht

von Söhnen, Brüdern, Freunden,

Ehemännern

 

Viel von ihnen

schlagen nie zu.

 

Sie spenden nur

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Frauke Baldrich-Brümmer - Keine Nachtmusik (Gedicht des Tages vom 28. Juli) gelesen von Verena Arlinghaus

keine nachtmusik

wir kreisen die nacht ein
stecken den mond in
die tasche lügen die
sterne vom himmel
ein paar müde gewordene
wünsche pflücken wir
kurz vorm traumsuizid

gleiten dann immer
tiefer in eine selbstgestrickte
liebessackgasse die engel
im ausgang kennen unseren
namen nicht

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Jana Jürß - Sommerdepressionen eines Schreiberlings (Gedicht des Tages am 26.7.2010)

Sommerdepression eines Schreiberlings

Der Herbst kommt
Irgendwann
Bestimmt
Lässt er die Blätter bunt
Bald welk werden
Bis sie abfallen
Und von uns zertreten
Werden

Worte, die dann
Nicht geschrieben
Werden gleichsam bereits
Vor dem Abfallen
Zertreten
Von uns

Sommer ist
Noch und
Vor dem Herbst
Bleiben Tage für die Worte
Die traurigen und unvergänglichen
Die ich mitnehmen
Muss
Bis in den nächsten Sommer

(Jana Jürß)

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Karin Flörsheim - In der Eile (Gedicht des Tages am 22. Juli 2010)

In der Eile

In der Eile
Lebt
Mein Sein
Jeder Schritt
Entfernt vom
Kindsein
Jeder Schritt
Dem Tod
Entgegen

Doch Träume
Der Durst
Des Lebens
Lassen Sterne
Glühen Visionen
Leuchten
Meine Unruhe
Meerhaft werden

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Doeter Wöhrle - Vier Wochen Lebensglück (Gedicht des Tages am 18. Juli 2010)

Dieter Wöhrle
Vier Wochen Lebensglück

Das Leben Kurts war leer und öd.
Er ging den Leuten auf die Pelle.
Sie fanden auch sein Hobby blöd:
die neuen Eisenbahnmodelle.

Er wohnt´ bei Muttern, Hinterhaus.
Das konnte kaum ihn inspirieren.
Und abends dann, im „Treff“, bei Klaus,
blieb nur, die Barfrau anzustieren.

Doch plötzlich wie ein Donnerhall
zerstob die triste Langeweile.
Das Leben hatte Sinn: Ein Ball
trieb Kurts Adrenalin zur Eile.

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Elisabeth Lichter - Im Flüchtigen (Gedicht des Tages am 13. Juli)

Im Flüchtigen

Neben dem Mann
angeleint mit gesenktem Kopf
trottet der Hund

Befreit das Tier
im brackigen Wasser ein Bad
Spuren setzen die Pfoten
deutlich dann schwach dann nicht mehr

Die Fährte verblasst
verdunstet das Zeichen
ein Hund von dort lief er
wohin

Im Flüchtigen eine Berührung
Spuren dass sie vergehen
sie waren sie sind
auf dem Weg

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Rainer Weingärtner - Von Schwestern und brüdern (Gedicht des Tages am 4. Juli)

Von Schwestern und Brüdern  

Unter wie viel Sternenzelten
anderer Planetenwelten
leben Wesen – wie beschaffen?  
Welche staunend Sterne zählen
und sich forschend Fragen stellen –
wie wir vernunftbegabten Affen.

Zum Beispiel kluge Kakerlaken
mit irren Schrullen – witz’gen Macken.
Oder intelligente Viren –   
die mit feinsinnigsten Manieren
gegen Dummheit infizieren.

Träumte auch – auf den Plejarden
lebten kultivierte Maden.
Die in Puppen meditieren –
versponnen dort philosophieren.

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Willi Ennulat - Wenn die Zeit auf einmal stillsteht (Gedicht des Tages am 3. Juli)

Wenn die Zeit auf einmal stillsteht

Wenn die Zeit auf einmal stillsteht,
und du ganz im Damals fühlst:
das Ballspiel auf Asphalt,
den würzigen Geruch,
Sommerregen,
körperlich und warm.

Deine Stimme klingt so nahe.
Sehe dein fröhliches Gesicht.
Hände zart und fein,
offen weiter Blick.
Niemand bringt dein Lachen
je zurück.

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