Gedicht des Tages

Elisabeth Lichter - Im Flüchtigen (Gedicht des Tages)


Im Flüchtigen

Neben dem Mann
angeleint mit gesenktem Kopf
trottet der Hund

Befreit das Tier
im brackigen Wasser ein Bad
Spuren setzen die Pfoten
deutlich dann schwach dann nicht mehr

Die Fährte verblasst
verdunstet das Zeichen
ein Hund von dort lief er
wohin

Im Flüchtigen eine Berührung
Spuren dass sie vergehen
sie waren sie sind
auf dem Weg

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Karin Flörsheim - Ängste (Gedicht des Tages)

Ängste

Ängste
Wieder gespiegelt
In sternlosen Augen

Soldatenkrüppel
Wachsen
Wie Pilze
In blutigen
Moosen

Waisenkinder
In Gettos
Werfen Steine
Tragen Waffen

Mein Herz liegt
In der Schale
Des Übels
Kann sich nicht
Wehren

 

‚Tet-tow-gut, Frieden'(2006)

Pastell, Acryl, Metallicstift auf Lokta-Pflanzenpapier,
50x 39 cm
Karin Flörsheim

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Marianne Pumb - Ausgegangen (Gedicht des Tages)

Marianne Pumb
Ausgegangen

 

Ausgegangen

Ich möchte ausgegangen werden
Doch wohin
Wie wird das sein dort oben
Oder nichts

Mein Leib mein Leben
Will ertötet werden
Doch ach beileibe nicht
Ich will leibhaftig sein

Und bin ich auch beleibt
Leibeigen noch dazu
Von meiner Kümmernis  
Ich möchte Ruhe finden

Möcht rastend mich erquicken
Trübseligkeit leb’ wohl
Und Not um mich herum
Lebt ab, lasst mich allein

Ich will lebendig sein

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Vanja Michailova - Entkommen (Gedicht des Tages)



 

 

ENTKOMMEN

Eines Tages will ich entrinnen
und mich verlieren.
Ich will mich zerschmeißen,
mich zerreißen, mich zerfleischen, mich zerbeißen …
Und schweigen! Nichts sagen!

Ich will die Wand durchbrechen
und mich an dem Leben rächen.
Ich will mich einmal verdrecken
und dann … verrecken.

Ich will diese verdammte Zelle –
meinen Körper –
zersägen, zerfetzen, zerfressen
und mich entfesseln.

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Lange, Ursula - Der Mensch neben uns (Gedicht des Tages)

Der Mensch neben uns


Im Urgestein
der Vergangenheit
festgemauert
Schuld und Leid

Zermalmt von den
scharfen Zähnen
quälender Erinnerung
der Mensch neben uns

Wir aber
hören nicht
den Schrei
aus stummem Munde
sehen nicht
die verborgene Wunde

 

aus: Ursula Lange

Himmel, Hölle
und wir
im Gedicht
Geest-Verlag 2014
 

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Autor: 

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Doris Egger - Der Spatz (Gedicht des Tages)


der spatz

den vögeln zusehen wie sie
sich sammeln
untrüglich vom instinkt
geleitet

einen spatz beobachten
der sich ängstlich in eine
hausecke zurückgezogen hat
zu schwach
um mit den schwalben
in wärmere regionen ziehen zu können
spüren dass er nicht zu den
auserwählten gehört

mit dem spatz kommunizieren
mit telepathischen fähigkeiten
seine eingeweide zerlegen
und daraus
gleich den alten römern
das eigene schicksal
herauslesen

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