Gedicht des Tages

Artur Nickel: was in erinnerung blieb (Gedicht des Tages)

was in erinnerung blieb

die baracken stehen
schon lange nicht mehr
wo das pfeifen der loks
das warten auf den zug
verkürzte

der unterschlupf in den himmeln
ist verschlossen
leicht in den lüften
webt nur noch
was in erinnerung blieb

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Safinaz Hallioglu - Auge der Zuneigung (Gedicht des Tages)



 

Auge der Zuneigung

Das Auge der Zuneigung entfernte ich eines Tages
Um ohne Hilfe die Umgebung zu schauen
Die Farben verzerrten sich, gesichtslos die Gesichter
Liebe verachtet, Güte umgekippt

Nachtigallen ohne Zunge, Mütter herzlos
Bäume ohne Ast blätterlos sah ich
Freunde, Verwandte, leiden konnte ich nicht mehr
Alle als meine Feinde empfand ich

Der Himmel auf Erden zur Hölle werdend
Was Mitleid heißt, wusste ich nicht mehr
Ekelte mich vor allem, was ich sah
Auch hören wollte ich nichts mehr

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Karin Flörsheim - Meine Seele möchte wandern (Gedicht des Tages)

Meine Seele möchte wandern

Aus dem Radio
Violinenklänge
Schon am Morgen
Meine Seele
Möchte wandern

In der Zeitung
Zu den Klängen
Von Chopin
Eine Milliarde
Menschen hungern

Mein Traumblick
Wird Todesmaske
Schwarzrot
Unfassbar
Diese Zahl

Meine Seele
Möchte wandern
Doch wird gebunden
In das Elend
Dieser Welt

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Erich Pfefferlen - Sturz ins Loch (Gedicht des Tages)



 

Sturz ins Leben

Das muss der Frühling sein:
Es springt auf
Knospe um Knospe
die Blütenblätter stürzen
ins Leben

Ungeschützt vertrauen sie
dem neuen Himmel
jenem größten Tischlein-deck-dich
Tag für Tag aufs Neue
dass er zaubert
sein Dottergelb herbei
an dem sich alles
wirklich alles labt
was Leben heißt

Der Himmeltisch hat schon ein Loch
doch weitermachen wie bisher
das tun wir doch

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Jacek T. Zielinski - Der Fremde (Gedicht des Tages)

Zielinski, Jacek T. - Mein Zahir. Gedichte

DER FREMDE

Als Fremder erwache ich auf mir
gut bekannten Planeten
zwischen dem Geräusch der Milchflaschen
und dem Schreien der Nachbarn.
Die Hunde bellen, die Betten schwitzen,
Fabriken schmeißen den Rest
nächtlicher Schichten heraus.

Ich liege im Weiß der Bettwäsche,
als wäre ich eine Braut,
Sklavin der Vernunft,
älter als Liebe.

Ich bin abwesend.

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