Gedicht des Tages

Gerhard Rombach - Sie werden uns anklagen (Gedicht des Tages)

Sie werden uns anklagen

 

Einmal wird man sagen

sie haben es kommen sehen

und nichts getan

 

Sie haben gewusst

die Katastrophe würde kommen

und haben nichts getan

 

Einmal wird man sagen

sie hätten es

abwenden können

 

Damals als die Wälder

grün waren und Schnee

die Berge bedeckte

 

Doch sie haben nichts getan

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Elisabeth Lichter- Ein Portrait vielleicht (Gedicht des Tages)

EIN PORTRAIT VIELLEICHT


Die Fragen alle erlitten
die Antwort

Er allein mit eigener Schwerkraft
fremd der Raum sagt nicht
wo die Füße sich eingelassen

Eine offene Hand
nur wenig erhoben die rechte
als lade sie ein zwischen ihm
und dir diese Freiheit

In den Augen Licht
auf Wange und Stirn
noch eine Spur um den schweigenden Mund

Ein Mensch immer wieder
wählt er sich so
 

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Gerhard Butke - Gartentheologie (Gedicht des Tages)


Gartentheologie

Nach Eden
gen Osten hin
der Garten
aller Gärten
bewässert von
Euphrat und Tigris
mit Bäumen
und Blumen
und Samen die
Früchte bringen
und grünem Kraut
im Überfluss

Nach Gethsemane
wo Oliven wachsen
Ort der Stille
und des tiefen Schlafs
wo EINER nur wacht

Und darüber hinaus
nach Golgatha
an der Stätte
wo ER gekreuzigt wurde
ein Garten
ein leeres Grab
wo der Mandelzweig blüht

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Frauke Baldrich Brümmer - das wandern (Gedicht des Tages)

Baldrich-Brümmer,Frauke: wörtlich bestäubt

das wandern

 

ich hab keine müllerslust

ich hab wunde schuh und

die bäume schlagen

mich aus

 

der fröhliche landmann

ist schlafen gegangen

mit einer nacktschnecke

aus nachbars gärtin

 

ein schreberzwerg mit

türkenstern und zwiebelmütze

ertrinkt am brunnen vor

dem tode

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Lena Klassen; Wir selbst (Gedicht des Tages)

Wir selbst


Da sie verdursteten
(Gerbera waren es,
glühend orange)
warfen sie sich in ihr Inneres
wie um sich mit
sich selbst zu stillen

schlössen sie sich um die Mitte
und
waren sich selbst der Kelch
der nichts außer ihnen enthielt

sie
wurden kleiner (als fräßen sie sich selbst)
farblos auch, als
zehrten sie von Farbe

als wüssten sie es nicht besser als wir
dass
sie sich nicht genügen konnten

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Dieter Radtke - Bei Tagesanbruch (Gedicht des Tages)

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Dieter Radtke

Bei Tagesanbruch

Morgens    
Eine Hand auf meinem Rücken
Wir – zwei balzende Vögel
Mit aufgerissenen Augen

Im Herzen der tägliche Terror
Arbeit – um dem Sinnlosen
Etwas Sinn einzuhauchen
Und dann Brot und dann Spiele

Wir sanken in die Nacht
Als wollte sie nie enden
Aber wir sind aufgewacht –
Morgens

Die Schlagzeilen sind groß –
Bald wird jeder 100 Jahre alt –
Aber vorher richten wir
Die Welt zugrunde -

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Elisabeth Lichter - Spuren (Gedicht des Tages)


Spuren

Spuren wenn man sie sucht
das Geheimnis der Welt
eine Silbe das Wort

mit Hoffen und Fürchten beschwert
von dem Gang der Zeiten auf weißer Wand
das Wort am Ende des Gastmahls

Wie im Nachtflug die erleuchtete
Stadt taucht auf entschwindet
wieder das Licht in der Dunkelheit

Mehr kommt uns nicht zu
so schwach unsere Augen

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Anniket Khatri - Elfenbeine in den Ohren (Jugendliche melden sich zu Wort)



Alle Menschen werden
zwei Elfenbeine
in ihren Ohren haben,
auf ihren Händen dicke Brüste.
Auf der Stirn wird ihnen
noch eine Nase wachsen,

Das Geschlecht wird
bei den Männern länger und
bei den Frauen flacher.
Die Beine werden kürzer.
Schließlich werden alle Menschen
behaart sein und sich
wie Affen entwickeln.
Sie werden von Tag zu Tag
kleiner werden und
ihr Rücken wird
wie ein Bogen sein.

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